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Psychosoziale Begleitung

P1050914Psychosoziale Begleitung (PSB)

Zunächst heißt Psychosoziale Begleitung (PSB) die Bereitstellung einer Dienstleistung von sozialpädagogischen Methoden im Rahmen einer methadon-/polamidongestützten Substitutionsbehandlung durch eine(n) niedergelassene(n) Arzt/Ärztin. Wesentliches Merkmal einer PSB ist die Beziehungsarbeit. Gedacht ist die PSB als Hilfsangebot für Substituierte, die vielfache soziale und psychische Probleme haben. Problematisch ist der Zwangscharakter (BtmG, AUB-Richtlinien), der den Angebotscharakter ad absurdum führt und sich nicht selten negativ auf den Verlauf einer Betreuung auswirkt.

Zielgruppe sind Drogengebraucher (primäre Heroinkonsumenten), die in der Substitutionsbehandlung die einzige Möglichkeit sehen, eine Veränderung ihrer Lebensverhältnisse herbeizuführen und bei denen andere Maßnahmen des Drogenhilfeangebots aktuell nicht greifen. Eine psychosoziale (Selbstzahler) oder medizinische Indikation muß vorliegen. Eine Kontraindikation ist gegeben, wenn jemand an einer gravierenden psychiatrischen Erkrankung leidet.

Auf folgende Minimalziele sollten sich Arzt/Äztin und Betreuer(in) verständigen können:

  • Harm-Reduction
  • AIDS- und Hepatitisprophylaxe
  • Physische und psychische Stabilisierung
  • Vermeidung von Obdachlosigkeit
  • Überbrückung von Wartezeiten bis zu einer stationären Entwöhnungsbehandlung.

Weitergehende Ziele können sein:

  • Erlernen von Konfliktbewältigungsmöglichkeiten
  • Auseinandersetzung mit Beikonsum und „Rückfällen“
  • Auseinandersetzung mit der Suchtdynamik und den Ursachen des problematischen Drogenkonsums
  • Entwicklung von Beziehungsfähigkeit
  • Erlangung von Handlungsfähigkeit
  • Berufliche Rehabilitation

P1050991Als Fernziel kann im Einzelfall die Abstinenz von derzeit illegalisierten Drogen stehen. Die Abstimmung der Ziele sollte mit allen an dem Behandlungsprozeß beteiligten Personen geschehen; Transparenz muß gewährleistet sein.

Am Anfang jeder Behandlungsplanung steht die sogenannte diagnostische Abklärung. Für den Bereich PSB heißt das die Erhebung der Anamnese, die folgende Aspekte berücksichtigen bzw. beinhalten soll:

  • Die aktuelle Lebenssituation
  • Die Lebensgeschichte
  • Den Suchtverlauf
  • Frühere Behandlungsversuche
  • Bisherige Krankheiten im somatischen u. psychiatrischen Bereich u. deren Behandlungen

„Die PSB Substituierter wird als Suchtbegleitung verstanden, die sich an den Bedürfnissen und vor allem an der Veränderungsbereitschaft des Klienten orientiert. Deshalb kommen nicht bei jedem Klienten alle (möglichen) Inhalte der PSB gleichermaßen zum Tragen. Vorläufiges Ziel ist die Entstehung einer Anbindung an die PSB als Arbeitsgrundlage. Eine Arbeitsbeziehung ist für das Erreichen weitergefaßter Ziele erforderlich. Soziale Hilfen und („therapeutische“) Gesprächsarbeit bilden den Schwerpunkt bei der Durchführung der PSB.

Die wesentliche Methode in diesem Arbeitsfeld ist die Arbeit in der Beziehung. Die entscheidende Phase für den Beziehungsaufbau ist die Anfangsphase (s. diagnostische Abklärung). In der Anfangsphase werden die Ziele der Substitution und die Erwartungen an die PSB abgeklärt. Daraufhin werden Vereinbarungen über die Rahmenbedingungen getroffen, wie z.B. Häufigkeit und Dauer der
Gespräche, Terminabsprachen, hochschwellige/niedrigschwellige Begleitung. Damit der Klient sich überhaupt auf eine Beziehung einlassen kann ist eine Haltung der PSB, die durch Akzeptanz, Empathie und Echtheit (auch im Sinne von Klarheit und Grenzen setzen können) gekennzeichnet ist, hilfreich für den Klient.

Als Folge (des problematischen Drogenkonsums) kommt es vielfach zu einer Anhäufung von Problemen. In der Anfangsphase der PSB sollte eine sog. Bestandsaufnahme gemacht werden, z.B. Wohnsituation, bestehende Gerichtsverfahren, Lebensunterhalt, Krankenversicherungsschutz, Schulden, u. a. Die Erstellung einer Prioritätenliste kann hilfreich sein. Die Unterstützung erfolgt z.B. über gemeinsame Telefonate, Aufsetzen von Schreiben oder (wenn erforderlich) durch gemeinsame Behördengänge; ggfls. erfolgt eine Vermittlung in andere Hilfesysteme (z.B. Schuldenberatung, Rechtsanwälte).“ Grundsätzlich gilt in diesem Zusammenhang, daß PSB nicht dazu da ist, den KlientInnen ihre Angelegenheiten aus der Hand zu nehmen bzw. für sie und über ihre Köpfe hinweg zu agieren; sie werden somit nicht aus ihrer Verantwortung für sich selbst entlassen.

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