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Trauer

Drogenselbsthilfearbeit in VISION e.V. bedeutet auch, mit Tod und Sterben konfrontiert zu werden. Im Laufe der Arbeit in der Drogenselbsthilfe sind viele unserer Mitstreiter/innen, Freundinnen und Freunde verstorben.

Wir möchten ihrer an dieser Stelle gedenken.

Es war schön, mit euch ein Stück des Weges gemeinsam gegangen zu sein. Wir werden in eurem Sinne weiterarbeiten.

Ich gehe die Strasse entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich falle hinein.
Ich bin verloren... Ich bin ohne Hoffnung.
Es ist nicht ohne meine Schuld.
Es dauert endlos, wieder herauszukommen.
 
Ich gehe dieselbe Strasse entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich tue so, als sehe ich es nicht.
Ich falle wieder hinein.
Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein.
Aber es ist nicht meine Schuld.
Immer noch dauert es sehr lange, herauszukommen.
 
Ich gehe dieselbe Strasse entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich sehe es.
Ich falle immer noch hinein... aus Gewohnheit.
Meine Augen sind offen.
Ich weiss, wo ich bin.
Es ist meine eigene Schuld.
Ich komme sofort heraus.
 
Ich gehe dieselbe Strasse entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich gehe darum herum.
Ich gehe eine andere Strasse.

Aus dem Tibetischen Buch vom Leben und Sterben von Sogyal Rinpoche

Am 9. November ist Silvia H. unerwartet verstorben.
Sie hinterlässt zwei Kinder und unseren Sohn im Alter von 6 Wochen.

Für die Welt warst Du niemand,
aber für mich warst Du die Welt!

Costa

Sie hinterläßt drei Kinder. Okzana hat für einige Monate bei uns mitgearbeitet. Wir haben Sie als einen liebevollen kammeradschaftlichen Menschen kennen gelernt. Sie war gerade auf dem Weg Ihr Leben zu meistern, aber leider schlägt das Schicksal immer dann zu, wenn wir es gerade nicht erwarten.
Das schönste Denkmal das einem Mensch gesetzt werden kann, steht in den Herzen seiner Mitmenschen.

Mit großer Bestürzung mußten wir den Tod unseres ehemaligen Mitarbeiters Alexander Dietsch zur Kenntnis nehmen.

Alexander war bei allen Mitgliedern des Teams und Besuchern des Kontaktladens sehr beliebt. Sein plötzlicher und überraschender Tod ist für uns und das gesamte JES Netzwerk ein großer Verlust.

Wir können nur hoffen, dass er seinen Frieden finden wird und seiner Familie und seinen Freunden viel Kraft wünschen um diese schwere Zeit zu überstehen.

Leider mussten wir erfahren, dass unser langjähriger Besucher und Weggefährte Metin in der vergangenen Woche verstorben ist.

Er wurde in einer leider immer noch typischen Situation aufgefunden -überdosiert auf einer öffentlichen Toilette-.

Stellt sich die Frage, ob das passiert wäre, wenn der rechtsrheinische Drogenkonsumraum seinen Betrieb schon aufgenommen hätte. Dort hätte er nicht nur unter menschenwürdigeren und sterilen Bedingungen konsumieren können, er hätte auch sofort die nötige Hilfe bekommen.

Leider wird es wohl noch viele Menschenleben kosten, bis sich die Einsicht durchsetzt, dass in allen niedrigschwelligen Einrichtungen des Drogenhilfesystems nicht nur selbstverständlich Spritzen getauscht werden, sondern auch saubere und sichere Konsumgelegenheiten angeboten werden müssen.

Hartmut Organiska und das VISION Team

im Gedenken an Bernd LemkeAm Abend der Einweihungsfeier pflanzten wir, im Andenken an Bernd Lemke, der 2006 verstarb, einen Kirschbaum.

Der “Vater” des Kölner Junkie Bund und langjährige Aktivist des bundesweiten JES Netzwerks (Junkies/Ehemalige/Substituierte) hat damit auch sichtbar den Platz besetzt, den er als Mensch und Ideengeber immer bei VISION haben wird.

Künftig kann an diesem Ort den Drogengebrauchern gedacht werden, die an den Folgen eines von Ausgrenzung, Stigmatisierung und Repression geprägten Lebens versterben. VISION und seine Mitarbeiter werden, auch in der Verpflichtung diesen Menschen gegenüber, weiterhin ein grundsätzliches Umdenken in der deutschen Drogenpolitik einfordern und an der Umsetzung eines bedarfsgerechten Drogenhilfeangebots mitarbeiten. weiterlesen… »

Die langjährige Aktivistin der Hamburger Eltern- und Angehörigeninitiative ini und ehemalige Vorsitzende des Bundesverbands der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit Marcella Papenmeyer verstarb zu unserem Erschrecken am 6.10 dieses Jahres durch eine tückische Krankheit.

Marcella war nicht nur eine der ersten Mütter, die sich für akzeptierende Ansätze in der Drogenarbeit stark machte. Sie stand JES und den Menschen im Netzwerk immer mit großer Nähe und ebenso großem Engagement zur Seite.

Ihr Tod ist ein großer Verlust bei dem Bemühen um ein humanes und menschenwürdiges Leben von Drogengebrauchern in Deutschland. Zudem wird sie uns als Mensch fehlen.

Marco Jesse

Da unser Umzugstermin ursprünglich im Juli sein sollte, hatten wir eine Veranstaltung auf dem neuen Gelände geplant. Diese Möglichkeit fällt nun leider weg. Kurzfristig machen wir nun einen kleinen Infostand auf dem Platz an der U-Bahn-Haltestelle „Kalk Post“. In der Zeit von 12:00 bis 16:00 Uhr gedenken wir dort allen verstorbenen Drogengebrauchern und –gebraucherinnen.

Unser Ladenlokal wird an diesem Tag geschlossen bleiben. weiterlesen… »

Stefan S. aus Mühlheim ist auch leider bei seinem Opa verstorben an einer Überdosis. Es ist Heroin von über 60% im Umlauf - gepaart mit Dreck. In der letzten Woche sind fünf Bekannte gestorben. Ich weiss nicht, wie ich klar komme mit Pillen und Alk…

Mit Mitte 30 hat uns mit Markus wieder ein Drogengebraucher viel zu früh verlassen.

Gewollt -aufgrund seiner nicht idealen Lebensumstände- oder ungewollt -weil er nicht wissen konnte wie gut sein Heroin ist- das kann er uns nicht mehr mitteilen.

Diejenigen, die Ihn kannten, wissen von der Lebenslust die in ihm steckte und die wissen auch das er noch lange unter uns weitergelebt hätte.

Er starb nicht draußen im Gebüsch sondern in seiner Wohnung. Zumindest sein gewohntes Umfeld ist ihm zuletzt geblieben. Er wird nicht vergessen.

Vor kurzem verstarb Peter H. nach langem Spanien Aufenthalt friedlich im Schlaf.

Auch er wäre sicher ohne die Folgen eines von Illegalität und Strafverfolgung dominierten Lebens noch unter uns. Im Interesse aller in den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren an den Folgen der Prohibition verstorbenen Menschen wird der Junkie Bund Köln auch weiter ein grundsätzliches Umdenken in der Drogenpolitik einfordern.