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Gedenktag

21. Juli – Nationaler Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher

Protest-, Aktions- und Trauertag

Das Thema Tod begleitet uns ständig durch unsere tägliche Arbeit. Immer wieder versterben Besucher an den Folgen schlechter Konsum- und Lebensbedingungen. Jahrelange Stigmatisierung und Ausgrenzung verbunden mit permanentem Verfolgungsdruck führen in vielen Fällen zu einem so schlechten Allgemeinzustand, dass die Gefahr einer unbeabsichtigten Überdosierung massiv steigt.

Zu den festen jährlichen Terminen zählt deshalb schon seit der Jahrtausendwende der „Nationale Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige“ am 21. Juli. Zum ersten Gedenktag, der im Jahr 1998 in Gladbeck begangen wurde, hatte der Landesverband der Eltern und Angehörigen für humane und akzeptierende Drogenarbeit NRW aufgerufen – der Bundesverband sowie der Länderverband Schleswig-Holstein/Hamburg schlossen sich dem Aufruf später an. Auch viele Gruppen aus dem JES Netzwerk kamen bald dazu – so auch der Kölner Junkie Bund. Hier wie dort trauern Frauen und Männer um den Tod nahestehender Menschen.

Warum 21. Juli?

Der Gedenktag findet am 21. Juli statt, weil an diesem Tag im Jahr 1994 Ingo Marten verstarb. Wie viele tausend andere Drogengebraucher vor und nach ihm war er Opfer einer repressiven Drogenpolitik. Ingos Mutter, Karin Stumpf, gelang es mit beispiellosem persönlichen Einsatz und mit Unterstützung der nordrheinwestfälischen Stadt Gladbeck, die damals erste Gedenkstätte für verstorbene Drogenabhängige in Deutschland einzurichten – der Gedenkstein befindet sich bis Heute in einer schönen Parkanlage nahe Gladbeck.

In den ersten Jahren standen der persönlich empfundene Schmerz über das Leid und den Verlust eines geliebten Menschen im Vordergrund der Aktionen. Später bahnte sich auch die Wut über den unnötigen Tod den Weg. Jürgen Heimchen vom Bundesverband der Eltern und Angehörigen für humane und akzeptierende Drogenarbeit bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: „Wir können es uns nicht leisten, länger untätig zu sein.“ Das Engagement gegen eine Drogenpolitik, die letztlich für die Not und das Elend drogenabhängiger Menschen verantwortlich ist, hat seitdem einen festen Platz am 21. Juli. Der 21. Juli war politisch geworden.

Beteiligung

Heute beteiligen sich deutschlandweit mehr als 50 Städte an der Ausrichtung des Gedenktages und auch im Ausland (Schweiz, Dänemark und Australien) wird der Tag zum Gedenken genutzt.

Schon früh im Jahr beginnen wir mit den Vorbereitungen. Die Standgenehmigungen werden eingeholt, Bündnispartner gesucht, Kommunalpolitiker und die Medien eingebunden und vieles mehr. Später wird ein Flugblatt erarbeitet, in dem dass gemeinsame Motto aller Gruppen ebenso zum tragen kommt, wie regionale Forderungen an die Politik.

Durchführung

In der Umsetzung sind wir in den letzten zehn Jahren unterschiedlichste Wege gegangen. Angefangen mit einer Aktion auf dem Postplatz in Kalk über große Veranstaltungen auf dem innerstädtischen Rudolfplatz mit Bühne, Redebeiträgen und Live-Musik waren viele unterschiedliche Veranstaltungen dabei. Einige Male haben wir auch im „kleinen“ Kreis im Kontaktladen unseren verstorbenen Freunden und Besuchern gedacht und in den letzten Jahren wurde jeweils eine große Mahnwache am Neumarkt organisiert.

Jede einzelne Veranstaltung hatte seine Vor- und Nachteile. Während wir im einen Jahr viel Presse und Öffentlichkeit erreichten, nahmen im nächsten in erster Linie Drogengebraucher teil. Beides hat seine Berechtigung und auch für die Zukunft gilt es, einen Kompromiss zu finden, um den unterschiedlichen Interessen gerecht zu werden.

Fernziel

Unsere Hoffnung und eines der Fernziele des JES Bundesverbands ist die Ermöglichung eines selbstbestimmten Drogengebrauchs ohne Angst vor Strafverfolgung, Stigmatisierung und Ausgrenzung verbunden mit umfassender Aufklärung. Erst dann werden wir evtl. eines Tages nicht in jedem Jahr weit über 1.000 Tote zu betrauern haben. Der Gedenktag am 21. Juli wird deshalb einer der wichtigsten Termine im Kalender von VISION e.V. bleiben.

Plakat-Aktion

Im Jahr 2012 wurde ein Plakat-Projekt realisiert. Die hier abgebildeten Motive, die neben JES von der Deutschen AIDS-Hilfe e.V., akzept e.V. und den Bundesverband der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit realisiert wurde, zeigt Mitglieder der Global Commission on drugs mit einigen Zitaten, die den Krieg gegen Drogen kritisieren und ihre eigenen politischen Entscheidungen hinterfragen.Projekt „Kluge Köpfe“

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://www.vision-ev.de/projekte/gedenktag/

Kategorienarchiv: Gedenktag

  Aug 2018

Drogenkurier Nr. 115

Cover Drogenkurier Nr. 115

Thema

  • Internationaler Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher

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Drogenkurier Nr. 115 (8 MB)

21. Juli 2018 in Köln

Große Veranstaltung in der Innenstadt auf dem Rudolfplatz

Wie schon im Vorjahr trommelte VISION e.V. in Köln verschiedene Vertreter des Kölner Drogenhilfesystems, der Selbsthilfe, der Stadt und der Aidshilfen zusammen, um gemeinsam den Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen zu begehen. In regelmäßigen Planungstreffen mit allen Beteiligten formte sich die Idee, zum 20-jährigen Jubiläum des Gedenktags ein etwas größeres Event mit Bühnenprogramm auf dem Rudolfplatz zu veranstalten. Die Mahnwache am Neumarkt in der Innenstadt und die anschließende Gedenkfeier in Kalk, welche die letzten Jahre geprägt hatte, wurden so in einer Veranstaltung vereint.
Der Rudolfplatz wurde auch deshalb für den 21. Juli gewählt, da bereits die ersten Gedenktage in Köln dort stattfanden, womit wir geschichtlich anknüpfen und gewissermaßen den Kreis schließen konnten. An dem sonnigen und warmen Samstag erreichten wir in dem regen Treiben der Innenstadt direkt an den Kölner Ringen vor der tollen Kulisse des Hahnentores viele Menschen und trugen so sehr dazu bei, das Thema Drogengebrauch und den unnötigen Tod vieler Drogengebraucher*innen in das öffentliche Bewusstsein zu rücken.

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21 Jul 2018

Fotos vom Gedenktag

21 Jul 2018

Ende des Gedenktags mit The Schabernacks

Nach dem besinnlichen Gedenkanteil des Gedenktags für verstorbene Drogengebraucher*innen am 21.07.2018 auf dem Rudolfplatz in Köln brachten The Schabernacks mit ihrem Ska-Punk „Gute-Laune“-Musik auf die Bühne.

21 Jul 2018

Gedenkrede von Pastor Andreas Hübner

Der Pastor im Ehrenamt Andreas Hübner aus Odenthal sprach am Gedenktag die Gedenkrede und verstand es gut, das Thema des Tages zu erörtern und die Zuhörer in sehr angemessener Art und Weise anzusprechen.

Er griff u.a. das Theaterstück auf: „Man sah das Kämpfen und das Leben. Man sah das Fallen und das Auffangen. Man sah das zum Himmel sich hochrecken. Am Ende ist es eine ganze Geschichte des Ringens um Leben gewesen.“

21 Jul 2018

Interview im Domradio

Interview mit Pastor Andreas Hübner zum Gedenktag

21 Jul 2018

Gedenktag – Drugland Szene 2

Anlässlich des Internationalen Gedenktags für verstorbene Drogengebraucher*innen führte das Sommerblutfestival in Köln auf dem Rudolfplatz zwei Szenen aus dem Kulturprojekt „Drugland“ auf.

In der zweiten Szene erzählt Ozman, was für ihn Entzug bedeutet. Um dies zu verdeutlichen, bat er die Zuschauer für eine gewisse Zeit die Luft anzuhalten. Sie sollten sich vorstellen, dass sie sich in einer giftigen Atmosphäre befinden würden und wenn sie dem Verlangen durchzuatmen nachgeben würden, sie sterben müssten. Nicht jeder schaffte die etwa 1,5 Minuten. Der Überlebensinstinkt ist stärker. Und ähnlich fühlt es sich auf Entzug an. Der ständige Gedanke bei Qualen und Schmerzen ist present. Nur ein Schuss und alles ist wieder gut.

Während der professionelle Tänzer die Torturen eines Entzugs auf sehr emotionale und plastische Art verdeutlicht, erzählt Ozman weiter von seinen Rückfällen und Therapien.

Auch die zweite Szene aus dem Kulturprojekt „Drugland“ nahm die Zuschauer eindrücklich mit in eine andere Welt.

21 Jul 2018

Gedenktag – Drugland Szene 1

Anlässlich des Internationalen Gedenktags für verstorbene Drogengebraucher*innen führte das Sommerblutfestival in Köln auf dem Rudolfplatz zwei Szenen aus dem Kulturprojekt „Drugland“ auf.

Nach dem Musikprogramm hörte man eine weibliche Stimme über die Lautsprecher. Wo kam sie her? Wer sprach da? Fragende Blicke gingen über den Rudolfplatz, bis manche auf die vor der Bühne mit gesenktem Kopf sitzende Frau aufmerksam wurden. Ist sie es?

Die Stimme berichtete von Ihrer Multiple Sklerose Diagnose (MS) und ihren Problemen. Durch ihren Freund kam sie zu Heroin und stellte fest, dass es ihr dabei hilft, die Symptome der MS besser zu ertragen. Mittlerweile sitzt sie nicht mehr im Rollstuhl und sie meinte, sie könnte zwar keinen Marathon laufen, aber sie wäre zufrieden.

Plötzlich lief ein Geschäftsmann im Anzug mit Rollkoffer quer über den Platz an ihr vorbei, blieb stehen, schaute sich um und noch mehr fragende Blicke machten die Runde. Als dann der Mann sich neben die Frau setzte und Musik erklang, wurde vielen langsam klar, dass hier wohl etwas dargeboten wird.

Die erste Szene aus dem Kulturprojekt „Drugland“ des Sommerblutfestivals hat uns und alle Gäste sehr berührt. Sie fesselte, liess einige Münder offen stehen und sorgte für eine ganz besondere Stimmung.

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21 Jul 2018

Auftritt von Rolly Brings am Gedenktag

Der Auftritt des Kölner Liedermachers Rolly Brings am Gedenktag war leider viel zu kurz.

21 Jul 2018

DLAA: History Of Sorrow & Heaven

Hier die zwei zum Gedenktag besonders gut passenden Stücke von Death Love And Acid (DLAA): „History Of Sorrow“ und „Heaven“.

21 Jul 2018

Eröffnung des Bühnenprogramms

Der Kölner Liedermacher und Straßenmusiker Klaus der Geiger eröffnete das Bühnenprogramm schneller, als erwartet, so dass die Veranstalter-Begrüßung durch Marco Jesse zwischengeschoben wurde.

21 Jul 2018

Internationaler Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen

Am Samstag, den 21. Juli 2018 begehen wir in Köln den Internationalen Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen mit einer Bühne und verschiedenen Aktionen auf dem Rudolfplatz.

In diesem Jahr findet der Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen bereits zum 20sten Mal in Deutschland und seit einigen Jahren auch im Ausland statt. Ein breites Bündnis von Akteuren der Selbst-, Drogen- und Aidshilfe setzt sich für die Ausweitung niedrigschwelliger Hilfsangebote ein und stellt am 21. Juli der Kölner Öffentlichkeit ihre Arbeit mit einem bunten Programm auf dem Rudolfplatz vor.

Am 21. Juli werden Vertreter*innen des Kölner Drogenhilfesystems, der Selbsthilfe, der Stadt und der Aidshilfen zwischen 12 und 16 Uhr mit einem breitgefächerten Bühnenprogramm auf sich und ihre Arbeit aufmerksam machen. Eine stetig wachsende Zahl von teilnehmenden Selbst-, Aids- und Drogenhilfen, Kirchen, und solidarischen Menschen hat in den letzten Jahren wesentlich dazu beigetragen, das Thema Drogengebrauch und den Tod vieler Drogengebraucher*innen in das öffentliche Bewusstsein zu rücken.

In den letzten 20 Jahren sind alleine in Deutschland mehr als 45.000 Menschen an Überdosierungen, den Folgen von Krankheit und den negativen Auswirkungen von Schwarzmarkt und Kriminalisierung, gestorben. 967 davon waren Kölner Mitbürgerinnen und Mitbürger. Dies hat Leid, Wut und Trauer in zehntausende Familien gebracht, die durch eine andere drogenpolitische Ausrichtung und passgenauere Hilfsangebote in vielen Fällen vermeidbar gewesen wären. „Würde jedes Jahr in Köln ein vollbesetzter Linienbus tödlich verunglücken, wäre der Aufschrei der Kölner Bevölkerung nicht zu überhören und wir hätten längst etwas verändert.“ so Marco Jesse, Geschäftsführer von VISION e.V.

Aber in den letzten 20 Jahren konnten auch viele wichtige Schritte hin zu einer menschenwürdigeren und bedarfsgerechteren Drogenpolitik gegangen werden. Hier sind besonders die Legalisierung von Spritzentauschangeboten, die Einrichtung von Drogenkonsumräumen, Auf- und Ausbau der Substitutionsbehandlung, die Einführung der heroingestützten Behandlung und nicht zuletzt die Festlegung von Harm Reduction als vollwertige Säule deutscher Drogenpolitik zu nennen. Diese wichtigen Entwicklungen wären ohne eine starke Selbsthilfe und Unterstützer*innen aus dem Hilfesystem sowie durch Ärzte und Kommunen nicht zu realisieren gewesen!

Dennoch bleibt viel zu tun! Dazu Theresa Greiwe, Vorstandsmitglied bei VISION e.V. und Mitarbeiterin von JES NRW e.V.: „Zu allererst gilt es, die Entkriminalisierung des Konsums und der Konsument*innen zu vollziehen. Drogenpolitik kann nur nah an den Bedürfnissen der Menschen sein, wenn sie nicht auf Moral beruht und ideologiegestützt ist, sondern die wissenschaftliche Evidenz, unabhängig von persönlichen Haltungen anerkennt und entsprechende Maßnahmen initiiert.“

Für Köln fordern die Ausrichter des Gedenktags die zeitnahe Einrichtung der vom Rat beschlossenen Drogenkonsumräume und niedrigschwelligen Anlaufstellen. „Eine weitere Verzögerung bei der Umsetzung dieser dringend erforderlichen Überlebenshilfen gefährdet das Überleben der Drogenabhängigen unnötig. Am Neumarkt aber auch in den Bezirken Kalk und Mülheim brauchen wir Drogenkonsumräume eher Heute als Morgen.“ so Maica Perez Gonzalez, Mitarbeiterin der Kölner Aidshilfe. Sinnvoll und überfällig ist die Ergänzung durch Drug Checking und Peer-gestützte Naloxonvergabe als Drogentodesfallprophylaxe. Diese Maßnahmen zur Schadensminderung auch in Deutschland zu implementieren ist überfällig, haben sie doch bereits im Ausland ihre positiven Effekte auf beeindruckende Weise gezeigt.

Alle Kölnerinnen und Kölner, die sich über die Arbeit des Drogenhilfesystems informieren wollen, sind herzlich eingeladen, am Samstag 21. Juli ab 12:00 Uhr am Rudolfplatz vorbeizukommen und das kulinarische und kulturelle Programm des Gedenktags zu genießen.

Programm

1200 – 1210 Uhr: Eröffnung und Begrüßung
1210 – 1240 Uhr: Klaus der Geiger (Straßenmusiker)
1240 – 1250 Uhr: Frank (Jongleur)
1250 – 1325 Uhr: Death, Love and Acid (Wave-Band)
1325 – 1335 Uhr: Frank (Jongleur)
1335 – 1405 Uhr: Rolly Brings (Liedermacher)
1405 – 1425 Uhr: „Drugland“ Theater-Szene 1 (Sommerblutfestival)
1425 – 1445 Uhr: „Drugland“ Theater-Szene 2 (Sommerblutfestival)
1445 – 1500 Uhr: Andreas Hübner (Bestatter und Pastor im Ehrenamt)
1500 – 1515 Uhr: Gedenkaktionen (Fackeln, Ballonflug, etc.)
1515 – 1600 Uhr: The Schabernacks (Ska-Punk-Band)

„20 Jahre Gedenktag – ein erfolgreiches Bündnis für Akzeptierende Drogenpolitik“

… so lautet der Titel des diesjährigen Gedenktags am 21 Juli. Mit diesem Titel soll zum Ausdruck gebracht werden, dass der Internationale Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen wie kein anderer Aktionstag zum Thema illegale Substanzen Unterstützer*innen unterschiedlicher Couleur vereint.

Neben den quasi geborenen Organisationen wie den Eltern und Angehörigen, dem JES Bundesverband und der Deutschen AIDS-Hilfe, vereint unser Anliegen nach einer menschenwürdigen Drogenpolitik auch die Gesellschaft der Suchtmediziner (DGS) den Akzept Bundesverband, viele AIDS- und Drogenhilfen aber eben auch politische Parteien, die Kirchen, einige Städte sowie eine Vielzahl von solidarischen Menschen.

Der Gedenktag jährt sich zum zwanzigsten Mal. Trotz der Tatsache, dass in diesem Zeitraum mindestens 45.000 Menschen an den Folgen von Kriminalisierung, Schwarzmarktsubstanzen sowie HIV und Hepatitis-Infektionen verstorben sind, konnten wir viele positive Veränderungen bewirken. Entscheidende Schritte haben wir allerdings noch vor uns, wie z.B die Regulierung von Drogenmarkt und -konsum jenseits gegenwärtiger Strafandrohungen.

Diese beiden Perspektiven soll der diesjährige Gedenktag am 21. Juli thematisieren.

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20 Jul 2018

Artikel von abbvie

Stigma bekämpfen – Internationaler Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende

Menschen, die Drogen gebrauchen, haben ein erhöhtes Risiko für Infektionskrankheiten, dazu zählen unter anderem Hepatitis C oder HIV. Doch Betroffene müssen sich nicht nur mit den Erkrankungen selbst auseinandersetzen. Häufig sind sie mit Stigmatisierung konfrontiert, in vielen Fällen basierend auf Vorurteilen und Unwissenheit über die Krankheiten. Diese Ausgrenzungen im sozialen und beruflichen Umfeld können als starke psychische Belastung empfunden werden – und das kann wiederum reale Konsequenzen für die Gesundheit haben: Betroffene ziehen sich zurück und vermeiden das Gespräch. Sie wenden sich nicht an Ärzte und andere Institutionen, um sich zu informieren und adäquate Therapien zu erhalten. Wenn infizierte Drogengebrauchende also aus Angst vor Diskriminierung keine Anlaufstellen zur Aufklärung aufsuchen, kann das Stigma dazu beitragen, dass sich Infektionskrankheiten wie Hepatitis C weiter verbreiten.

Am Internationalen Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende finden in ganz Deutschland – und mittlerweile auch in einigen Städten im Ausland – jedes Jahr Mahnwachen, Gottesdienste und verschiedene Aktionen statt, um der Toten zu gedenken und über das Thema Drogengebrauch zu informieren. Bereits seit 1989 findet der Gedenktag jährlich am 21. Juli statt und geht auf eine Initiative des NRW-Landesverbandes der Eltern und Angehörigen für humane und akzeptierende Drogenarbeit e. V. zurück.

Auch für uns ist der Tag nicht nur ein Anlass, der Verstorbenen zu gedenken, sondern ein Aufruf und Auftrag: Niemand soll aus Furcht vor Stigmatisierung einen Arztbesuch vermeiden. Ziel des Engagements von AbbVie ist es, Diskriminierung und Ausgrenzung abzubauen. Deswegen engagieren wir uns in verschiedenen Projekten und Initiativen. Wertvolle Tipps, wie Menschen mit Hepatitis mit Diskriminierung umgehen und an wen sie sich wenden können, haben wir in der Broschüre Stärke zeigen – Hepatitis C und Ausgrenzung zusammengefasst. Weitere Informationen bietet ebenso der Artikel Stärke zeigen – Vorurteile abbauen!.

19 Jul 2018

Konzert für Kölner Drogentote

Konzert für Kölner Drogentote

GEDENKTAG Auf dem Rudolfplatz spielt unter anderem Rolly Brings

Seit dem Jahr 1990 sind in Deutschland mehr als 39.000 Menschen durch den Konsum illegaler Drogen gestorben. Viele dieser Todesfälle wären vermeidbar gewesen – durch Aufklärung, Angebote zur Risikominimierung und Überlebenshilfe, kritisiert das Bündnis für eine akzeptierende Drogenpolitik. Am 21. Juli, dem Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige, erinnern Eltern, Angehörige, Partner, Freunde und andere Kölner an die „Drogentoten“.

Zum Gedenktag findet am kommenden Samstag, 21. Juli, auf dem Rudolfplatz ein Konzert statt. In der Zeit von 12 bis 16 Uhr stehen unter anderem die Liedermacher Klaus der Geiger und Rolly Brings, die Ska-Punk-Band The Schabernacks und die Wave-Formation Death Love And Acid auf der Bühne. Zusätzlich werden Szenen aus dem Theaterstück „Drugland“ gezeigt. Eva Schaaf, Pfarrerin der Justizvollzugsanstalt Ossendorf, hält eine Gedenkrede. Gegen 15 Uhr wird es verschiedene Gedenkaktionen mit Fackeln und Ballonflug geben. Zum Gedenktag kommen auch Vertreter der Kölner Sucht- und Selbsthilfe sowie von verschiedenen Abteilungen der Stadt Köln zusammen, um auf Angebote hinzuweisen und den Ausbau niedrigschwelliger Hilfe einzufordern. Organisatoren der Veranstaltung sind die Stadt, die Aidshilfe, Alexianer, Jobcenter und andere Initiativen. (red) www.gedenktag.koeln

  Sep 2017

Drogenkurier Nr. 111

Cover Drogenkurier Nr. 111

Thema

  • Internationaler Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher

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Drogenkurier Nr. 111 (8,2 MB)

21 Jul 2017

Video mit Impressionen vom Gedenktag 2017

Video-Aufnahmen vom Internationalen Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen am 21.07.2017 in Köln Kalk mit der Begrüßungsrede von Marco Jesse (VISION e.V.) und dem Grußwort vom Bezirksbürgermeister Marco Pagano. Das musikalische Programm wurde mit lautem Sound von der Punk-Band „Alternative Fakten“ eröffnet. Auch sind ein paar Szenen der Gedenkzeremonie mit den Gongschlägen, Fackeln anzünden und Ballonflug in dem Video zu sehen.

Am Internationalen Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen 2017 läutete die Punk-Band „Alternative Fakten“ das Bühnenprogramm an der Anlaufstelle von VISION e.V. in Köln Kalk ein. Das folgende Video zeigt den kompletten Auftritt der Band.
Punk zeichnet sich unter anderm dadurch aus, dass er laut, unangepasst und manchmal auch unbequem ist. Damit passt gerade dieser Akt hervorragend zu unserem Selbstverständnis. Die Verteidigung der Rechte von Drogen gebrauchenden Menschen war und ist noch immer eines unserer zentralen Anliegen. Menschenrechte müssen für alle Menschen Gültigkeit haben! Davon sind wir aber in vielen Fällen weit erntfernt. Diskriminierungen, Sonderbehandlungen, Ausgrenzung gehören zur alltäglichen Lebensrealität von Drogenkonsumenten. Sei es die Kameraüberwachung auf der Toilette der Suchtmedizinischen Praxis oder die „Stadtteilverbote“ für der Drogenszene zugeordnete Personen, die Liste der Beispiele ist viel zu lang.
In einer freien Gesellschaft haben auch jene ein Anrecht auf den öffentlichen Raum, die unangepasst sind und nicht in das Bild passen. Wie gerade mit denen umgegangen wird, die nicht in der Mitte der Gesellschaft stehen, ist entscheidend.
Solange ein menschenwürdiges Miteinander an dieser Stelle noch nicht funktioniert, wird VISION als Selbsthilfeinitiative weiterhin laut und unbequem bleiben, indem wir den Finger in die Wunde legen und Veränderungen einfordern.