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21 Feb 2019

Das neue Wohnzimmer der Kalker

Das neue Wohnzimmer der Kalker

Großer Andrang beim Werkstattverfahren zur Erschließung der ehemaligen Maschinenbauhallen

VON NORBERT RAMME

Kalk. „Das Gelände rund um die Hallen Kalk war mit eines der ersten Projekte, die ich mir als Baudezernent in Köln angeguckt habe“, sagte Markus Greitermann. „Da war mir gleich klar: Wir sollen und müssen uns darum kümmern.“ 20 Monate nach dem ersten Werkstattverfahren zur Neugestaltung des Areals der ehemaligen Industriehallen von Klöckner-Humboldt-Deutz, folgt nun eine weitere Phase, bei der der aktuelle Planungsstand sowie eine Machbarkeitsstudie vorgestellt werden sollte.

Die Beteiligten

Knapp 400 Bürger waren in die Aula des Kaiserin-Theophanu-Gymnasiums an der Kantstraße gekommen. Darunter zahlreiche Vertreter aus Stadtrat und Kommunalpolitik sowie Mitarbeiter von Vereinen und Initiativen. Architekten, Landschaftsplaner und Verwaltungsmitarbeiter waren ebenfalls anwesend, um mit den Interessierten zu diskutieren und Ideen einzubringen.

Aktuelle Situation

Der Planungsstand aus dem Jahr 2017 ist längst überholt. Der Wunsch vieler Bürger und Politiker in den KHD-Hallen 70 und 71, die nach der Insolvenz des Industrie-Unternehmens MBE Cologne leerstehen, eine Schule und Werkstätten sowie Lagerplätze für die städtischen Bühnen unterzubringen, habe sich – vor allem aus Kostengründen – zerschlagen.

Inzwischen steht fest, dass das Erzbistum auf einem anderen Teil des Gebiets einen Bildungscampus (von der Kita bis zum Abitur) mit einem Schulzentrum bauen will.

Auf dem Grundstück zwischen Dillenburger Straße, Christian-Sünner-Straße und Heinrich Bützeler Straße, dort wo sich gegenwärtig noch ein Bürogebäude, ein zweigeschossiger Parkplatz und das mit viel Engagement aufwendig gestaltete BMX-Außengelände der Abenteuerhalle (Dirt-Park) befindet, wollen die städtischen Bühnen nicht mehr so lange warten und haben sich für den Neubau ihrer Werkstätten ein anderes Areal weiter östlich an der Dillenburger Straße ausgesucht.

Umdenken

Mitarbeiter des Architektur-Büros Bel und seine Partner, die beim Werkstattverfahren mit dem ersten Preis bedacht worden waren, standen plötzlich vor der Herausforderung, hauptsächlich für die Hallen nach neuen Verwendungen zu suchen. „Im Nutzungskonzept sind Löcher entstanden“, sagte dann auch Sarah Wendland vom Stadtplanungsamt.

Aber die könne man gut und nachhaltig füllen, war sich Architektin und Universitäts-Professorin Anne-Julchen Bernhardt sicher. Sie stellte den Bürgern einen Zwischenstand der aktuellen Planungen vor. „Die Hallen 70 und 71 sind tolle Industrie-Kathedralen – doppelt so lang wie der Dom. Und in einem Super-Zustand. Die Stadtkonstruktionen können sehr viel tragen und auch der Betonboden ist für schwere Lasten geeignet.“

Vorstellungen der Planer

Die Idee der Stadtplaner ist nun, die östliche Halle 70 für Ateliers, Werkstätten und Büros herzurichten und dort zudem eine Ausstellungs- und Konzerthalle für etwa 2000 Besucher einzuplanen. Aus der angrenzenden, und in Richtung der noch zu bauenden Wohnhäuser an der Neuerburgstraße gelegenen Halle 71, will man eine Freilufthalle schaffen. Diese Idee sei zwar noch nicht mit dem Stadtkonservator abgestimmt, aber man hoffe auf Zustimmung, Teile der Fassade und des Dachs öffnen zu können. „Diese Halle könnte so etwas wie das Wohnzimmer der Kalker werden“, schwärmte Bernhardt. Mit einem Marktplatz und einem Boule-Feld, einem kleinen Sportplatz mit Tribüne sowie einem Gewächshaus und großzügig bemessenem Gastronomiebetrieb.

Punkten konnte die Architektin bei den Bürgern mit der Zusage, dass die Initiative „Pflanzstelle“, die Drogenhilfe-Institution Vision und auch der BMX-Dirt-Park – wenn auch nur in einer fast auf die Hälfte reduzierten Form – erhalten bleiben soll. Die Darlegung einer erweiterten Grünzone, die nun nicht nur im nördlichen Bereich, sondern auch entlang der geplanten Neubauten führt, und somit weit größer ausfällt als ursprünglich vorgesehen, kam gut an.

Lob und Kritik

Allerdings wurden an den vier unterschiedlichen Themen-Stationen, und Stellwänden außer Lob auch Kritik geäußert. So lehnten einige der Anwesenden die Freiraumhalle ab, da dadurch die „historische Patina“ zerstört würde.

Die fest eingeplanten, siebenstöckigen Hochhäuser – gemunkelt wurde im Publikum von einer Höhe von bis zu 40 Metern – wolle man in Kalk nicht.

Gewünscht wurde eine Begrünung der Dächer und ein Gewässer in der Grünfläche sowie eine Verlagerung des mehrstöckigen Parkhauses unter die Erde.

Die Forderung nach mehr genossenschaftlichen Wohnungsangeboten sowie nach einem „Subkulturhof“ – der war vor zwei Jahren bereits im Gewinner-Entwurf – wurde erneuert. Das soll von den Stadtplanern nochmals überdacht und möglichst aufgenommen werden.

Nächster Termin

Der Planungsprozess ist längst nicht abgeschlossen. Am 2. Juli soll in der Abenteuerhalle, Christian-Sünner-Straße 8, nach einem ähnlichen Muster ein weiteres Werkstattgespräch stattfinden. Dann will man den Bürgern die veränderte Planung und die zugehörigen Umsetzungsszenarien sowie erste Empfehlungen für eine Realisierung vorstellen.

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