Mai 2018

Pressemitteilung von JES, akzept und Deutsche Aids-Hilfe

Die Polizei löst keine Drogenprobleme

BKA-Bericht zur Rauschgiftkriminalität stellt polizeiliche Aktivitäten in den Vordergrund. Was Schäden durch Drogenkonsum stattdessen nachhaltig reduzieren könnte, zeigen Fachverbände in einer neuen Handreichung für die Politik: „Eine moderne Drogenpolitik nützt allen“

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung und das Bundeskriminalamt haben heute mit einer Pressekonferenz in Wiesbaden ihren Bericht zur „Rauschgiftkriminalität 2017“ vorgestellt.

Dazu erklärt Prof. Dr. Heino Stöver, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes akzept e.V.:

„Bei allem Respekt für Polizeiarbeit: Drogenprobleme löst man nicht mit strafrechtlicher Verfolgung von Konsumierenden. Der fortgesetzte Anstieg der Delikte spiegelt einen teuren Kampf gegen Windmühlen, der Unsummen verschlingt, ohne das Problem zu lösen: Illegale Substanzen sind heute so leicht und billig zu bekommen wie nie. Es ist Zeit für neue, wissenschaftlich abgesicherte Wege.“
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14 Mai 2018

Artikel aus „Junge Welt“

Sparen bei den Ärmsten

Hartz IV: Beihilfen hinken steigenden Mieten hinterher. Betroffene bleiben auf 650 Millionen Euro pro Jahr sitzen. Von Susan Bonath

Es ist längst real in Deutschland: Wohnungsnot auf der einen und Mietwucher auf der anderen Seite sorgen für Andrang in den Restbeständen der unsanierten Platte. Vor allem in den Randgebieten der Großstädte entstehen regelrechte Armenviertel. Wer auf Hartz IV angewiesen ist, findet selbst dort oft keine passende Bleibe mehr. Grund: Die Kostenzuschüsse hinken den steigenden Mieten hinterher. So müssen Betroffene einen Teil der Wohnkosten aus ihren mickrigen Regelsätzen bestreiten, die eigentlich für andere existentielle Grundbedürfnisse wie Essen, Kleidung, Strom und Mobilität vorgesehen sind. In welchem Umfang, hat unlängst die Bundesagentur für Arbeit (BA) ermittelt – über die neuen Zahlen berichtete vergangene Woche zuerst das MDR-Magazin „Umschau“.

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09 Mai 2018

Junkies und Banker tanzen am Neumarkt

Junkie und Banker tanzen am Neumarkt

Das „Sommerblut“-Festival hat begonnen – In „Drugland“ spielen Drogensüchtige neben professionellen Darstellern mitten in der City

VON ULI KREIKEBAUM

Eine ausgemergelte Frau kauert auf der Zwischenebene der U-Bahn-Station am Neumarkt vor einer Wand. Ein Banker mit Laptoptasche bleibt stehen und beäugt sie stumm, bevor das Unglaubliche geschieht: Er setzt sich zu ihr. Sie berühren sich. Erst unsicher, irgendwann beginnen sie zu tanzen, er hebt sie hoch, dreht sie, sie lässt sich in seine Arme fallen, schließt die Augen, lehnt sich an seine Schulter. Sie sind sich nah. Nach ein paar Minuten verschwindet der Anzugträger im Dickicht der Großstadt. Die Frau lehnt wieder an der Wand, scheinbar wie immer, aber aus ihren tiefen Augenhöhlen scheint jetzt Licht, die Unterarmhärchen, die die vernarbte Haut nicht verdecken können, haben sich aufgestellt. Da sitzt ein anderer Mensch.

Wenn Dialog und Miteinander nicht funktionieren, hilft nur noch Poesie. Das Stück „Drugland“ von Regisseur Stefan Herrmann, das heute beim „Sommerblut“-Festivals gezeigt wird, will Empathie erzeugen, die es im Alltag am Neumarkt selten gibt. Anwohner und Geschäftsleute ärgern sich über Drogensüchtige, die Spritzen und Bierdosen liegen lassen und ihre Notdurft in Hauseingängen verrichten – bei Bürgerversammlungen zum Drogenkonsumraum brandete Wut auf. Auch gegen das Theaterstück gab es auf einer Informationsveranstaltung erstmal Vorbehalte – Geschäftsleute, die als Schauspieler auftreten wollten, fanden sich nicht, den Part übernehmen professionelle Darsteller.

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04 Apr 2018

„Fragile Lage“ am Neumarkt

„Fragile Lage“ am Neumarkt

POLIZEI Der Mann, der Karfreitag tot neben dem Kiosk lag

VON INGO HINZ UND BETTINA JANECEK

Er ist 57 Jahre alt geworden und hieß Bernd. Vielmehr ist über den Mann, den Mitarbeiter der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) am Karfreitag auf dem Neumarkt leblos gefunden haben, bislang nicht bekannt. Ein Blumenstrauß mit einem Holzschild, auf dem sein Name zu lesen ist, erinnert an den Mann, der dem Vernehmen nach wohnungslos und drogenabhängig war. Gegen 13.15 Uhr sahen Zeugen den regungslosen Mann in der Nähe des Kiosks neben der Bahnstation und alarmierten den Rettungsdienst. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen. „Die gerichtsmedizinische Untersuchung zur Todesursache des Mannes ist noch nicht abgeschlossen“, sagte Polizeisprecher Christoph Schulte am Dienstag dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Erst dann werde sich ergeben, in welche Richtung die Beamten ihre Ermittlungen schwerpunktmäßig ausrichten. Auch die Frage einer möglichen Fremdeinwirkung könnte sich erst dadurch klären.

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29 Mrz 2018

Titelthema der Stadtrevue: Die Rauschzone

DIE RAUSCHZONE

Die Zeit des Heroins ist bald vorbei? Für Köln stimmt das nicht. Am Wiener Platz, Neumarkt oder Friesenplatz ist das Elend der Abhängigen für jeden sichtbar. Nun will die Stadt das Drogenproblem in den Griff kriegen – mit mehr Hilfsangeboten und Konsumräumen

Im Minutentakt füllt ein Pfleger Methadon-Lösung in Pappbecher, drückt anschließend auf den Orangen-saftspender und reicht die grellfarbige Mischung über die Theke. Gleich endet die Mittagsvergabe, noch zehn Menschen warten vor dem Ausgabefenster der Substitutionsambulanz in der Lungengasse. Hier, direkt hinter dem Gesundheitsamt, bekommen täglich mehr als 300 Suchtkranke Drogenersatzstoffe und werden medizinisch und psychosozial betreut.

Nur wenige Schritte sind es von hier bis zum Neumarkt, der seit vielen Jahren als Kölns Drogenhotspot Nummer eins gilt. Zuweilen kommen Passanten nicht umhin, an der KVB-Station oder vor der Stadtbibliothek am Josef-Haubrich-Hof mit anzusehen, wie Menschen sich Heroin aufkochen und die Spritze setzen. Doch auch am Friesenplatz, am Wiener Platz in Mülheim, in Kalk oder am Kölnberg gehören solche Bilder zum Alltag. Schätzungsweise 10.000 Menschen sind in Köln abhängig von illegalen Drogen. Im Gegensatz zu anderen Städten ist Heroin hier die Droge Nummer eins, gefolgt von Kokain und „Benzos“, also Schlaf- und Beruhigungsmitteln. Mehr als 2000 Kölner sind in Substitution. Laut Polizeistatistik gab es 2016 so viele Rauschgiftdelikte wie in keinem der zehn Jahre zuvor. 42 Menschen starben direkt an den Folgen ihres Drogenkonsums. Geraten die Drogenprobleme in Köln außer Kontrolle?

„Es wird jedenfalls zunehmend öffentlich konsumiert, die Hemmschwelle sinkt“, sagt Marga Weisner vom Verein Drogenhilfe. Sie ist als Streetworkerin täglich an den innerstädtischen Treffpunkten der Szene unterwegs, auch am Neumarkt. Weil der Platz zentral gelegen, gut einzusehen ist und Fluchtmöglichkeiten in alle Richtungen bietet, ist er beliebt bei Dealern von harten Drogen – und ihren Kunden. Schon seit 2014 gibt es dort eine „erhöhte Beschwerdelage“, der öffentliche Druck nahm stetig zu.

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18 Feb 2018

Michael R.

Mit Michael R. hat ein weiterer unserer langjährigen Besucher uns verlassen. Auch er war wie viele andere gezeichnet von langen Jahren auf der Strasse als Folge der Verbotspolitik und der damit einhergehenden gesellschaftlichen Ausgrenzung. Verbunden mit seinen chronischen Erkrankungen haben diese Strapazen schließlich ihren Preis gefordert. Am 18.02.2018 verstarb Michael nach kurzem Klinikaufenthalt.

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23 Mrz 2018

Wechselausstellung Charlie Sommersault

Charlie Sommersault

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  Mrz 2018

Drogenkurier Nr. 113

Cover Drogenkurier Nr. 113Im Mittelpunkt der ersten Ausgabe des Jahres 2018 steht das Thema „Substitutionsbehandlung“, das wir aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten.

Der jedes Jahr von der Bundesopiumstelle herausgegebene „SUBSTITUTIONSBERICHT“ gibt einen Überblick über Patient_innenzahlen, verschriebene Medikamente und vieles mehr.
Das die neuen Hepatitis C Therapien gerade bei Substituierten hervorragend wirken ist nicht wirklich neu. Dennoch wird aktuell eine Untersuchung die dies erneut bestätigt mit soviel „tam tam“ gespielt, dass wir uns aufgefordert sahen, dass wirklich erforderliche in Sachen HCV Behandlung in dieser Ausgabe zur Diskussion zu stellen.

„Drogen in Europa“ so lautet das Topthema dieser Ausgabe. Wir wollen euch einige interessante Themen des aktuellen Europäischen Drogenberichts vorstellen. Auch hier wird das Thema Substitution nicht fehlen.

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Drogenkurier Nr. 113 (2,5 MB)

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08 Mrz 2018

Wir sind traurig

Leider ist unser langjähriger Gast und gern gesehene Besucher Willi R. vor ein paar Tagen an den Folgen seiner Krankheiten verstorben. Die Obdachlosigkeit und die deutlich verfehlte Drogenpolitik trugen sicherlich auch dazu bei, dass Willi nicht mehr bei uns ist.

Danke, dass wir Dich kennenlernen durften.
Deine Visionäre

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06 Mrz 2018

Tristesse am Friesenplatz

Tristesse am Friesenplatz

Die Zwischenebene der U-Bahnhaltestelle hat sich zum linksrheinischen Hotspot der Drogenszene entwickelt. Bei schönem Wetter verlagert sich der Treffpunkt auf den oberirdischen Platz. Viele Passanten fühlen sich verunsichert. Die vielen leerstehenden Geschäfte verschärfen das Problem

VON MARTIN BÖHMER UND ALEXANDRA RINGENDAHL

Ayhan zieht den Rauch der Selbstgedrehten in die Lunge. Mit der Dunstwolke sagt er: „Wo sollen wir denn hin?“ Der 40-Jährige, dessen hageres Gesicht aus mehrere Kapuzenschichten vorschaut, war jahrelang heroinabhängig. Seit drei Jahren ist er in Substitutionsbehandlung in einer Arztpraxis am Friesenplatz, holt sich täglich seine Methadon-Dosis ab, die die Drogensucht unterdrückt. Seit drei Jahren trifft er sich dann mit Menschen, die eine ähnliche Geschichte erzählen können, in der unterirdischen Zwischenebene der Bahnhaltestelle. Die Fliesenlandschaft ist ihr Wohnzimmer.

Unter Streetworkern gilt der Friesenplatz inzwischen als linksrheinischer Drogenhotspot der Stadt, wie Streetworker Stefan Lehmann bestätigt, der im Auftragt des Gesundheitsamtes der Stadt jeden Tag vor Ort ist. Gründe dafür, dass die Szene hier einen Konzentrationspunkt gefunden hat, gibt es viele: Die Zwischenebene der U-Bahn, in der sich je nach Wetter mehrere Dutzend Suchtkranke aufhalten, bietet Schutz auch bei Regen und Kälte, der dortige Kiosk bietet Getränkenachschub.

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