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03 Feb 1998

Schmutziges Heroin: Kölner Junkies in Angst

Vier Menschen starben in 72 Stunden

1998_02_03_express_schmutzi.jpgVon PHILIPP MECKERT

exp Köln – Traurige Bilanz: Vier Kölner starben am Wochenende den Heroin-Tod. Vier Tote in 72 Stunden. Bei Angehörigen und Freunden herrscht tiefe Trauer, in der Szene Angst und Panik: Schmutziges Heroin überschwemmt den Kölner Markt.

30.1.: Eine Frau (26) stirbt an den Folgen des Heroins, das sie sich auf der Toilette des Johnnishauses spritzte;
30.1.: Eine Mutter findet ihre 26jährige Tochter. Neben ihr das Fixerbesteck. Sie war nach einem Ausweichprogramm rückfällig geworden.
1.2.: Blumenkasten am Breslauer Platz. Ein Toter (23) mit frischen Einstichen.
2.2.: Im Krankenhaus stirbt ein 37jähriger. Bereits am Mittwoch war er bewußtlos in einem Hotel gefunden worden.
„In Köln ist die Heroin-Qualität oft schlechter als in anderen Städten”, sagt Bernd Lemke (41) vom Selbsthilfeverein „Junkie Bund Köln e.V.”. „Es gibt Fälle, in denen die Drogen aus schädlichen und teilweise tödlichen Beimengungen wie Rattengift bestehen.” Und: „Nach diesen Todesfällen geben wir nun eine Warnung raus, vorsichtig zu sein.”
Jetzt wird der Ruf nach „Fixerstuben” oder „Konsumräumen”, in denen die Süchtigen ihr Heroin unter ärztlicher Aufsicht nehmen, immer lauter.
„Wir haben den Antrag gestellt, diese Dienste als Ergänzung zur Drogenhilfe zu finanzieren”, sagt OB Norbert Burger. „Damit sich die Abhängigen in sauberer Umgebung und mit der Erreichbarkeit eines Arztes spritzen können.” Auch Polizeipräsident Jürgen Roters meint: „Es bringt nichts, die offene Drogenszene nur einseitig aufzulösen. Wir müssen auf der anderen Seite auch mehr Therapie-Angebote und Lebenshilfen schaffen.”
Die Fakten: Ein Gramm Heroin kostet ca. 120 Mark. Je nach Abhängigkeit verbrauchen die Junkies zwischen 50 und 400 Mark am Tag. Das Gesundheitsamt schätzt die Zahl der Heroinabhängigen in Köln auf 11 000. Die Zahl der Drogentoten ist rückläufig: Wurden 1995 noch 94 Tote gezählt, waren es im letzten Jahr „nur” noch 35. In diesem Jahr sind es bis jetzt sechs.
Die „Drogenhilfe Köln e.V.” ist mit ihren zehn Einrichtungen, und rund 100 Mitarbeitern völlig überlastet. „Die Drogenhilfe
muß dringend ausgebaut werden”, fordert Gesamtleiter Klaus Orth (44). „Jeder Tote ist einer zuviel.”

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