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26 Jun 2002

Süchtige sind nicht willkommen

Nachbarn verhindern Umzug – Angst vor Beschaffungskriminalität

Der „Junkie Bund Köln“ bekommt keinen Mietvertrag in den Marienarkaden. Kirchenvorstände und Anwohner setzen sich mit ihrem Protest durch.

VON REINER KRÄMER

2002_06_26_ksta_suechtige_s.jpgKalk – Der „Junkie Bund Köln“ wird nicht in die Marienarkaden ziehen. Ob wohl in den Gebäuden seit Jahren Räume leer stehen, verweigert der Hausverwalter Immobilien Schwarz dem Bund einen Mietvertrag. Die in den Arkaden lebenden Mieter haben sich nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ gegen den vermeintlichen neuen Nachbarn ausgesprochen.

Der Hausverwalter fügte sich dem Willen. „Räume in den Marienarkaden wären wegen ihrer Nähe zur Kalker Post sehr hilfreich für unsere Arbeit“, bedauert Mónica Priester. Sie ist Sozialpädagogin und Suchttherapeutin beim „Junkie Bund Köln“ in Kalk. „Seit wir von der Berliner Straße in Mülheim in die Räume »In den Reihen« gezogen sind, nutzen viel weniger Betroffene unsere Einrichtung.“ Grund sei der lange Fußmarsch, den die Drogenabhängigen auf sich zu nehmen hätten. Deshalb gehen die Angestellten drei Mal die Woche an die Kalker Post und arbeiten vor Ort.

Die vom Land finanzierte Institution wendet sich an Drogengebrauchende, Substituierte und Ex-User. Sie erhalten dort kostenlos Frühstück und Mittagessen. Die psychosoziale Begleitbetreuung von Substituierten – also von Drogenabhängigen, die auf Methadon eingestellt sind – wird hier ebenso geleistet wie der Spritzentausch. Eben deshalb laufen auch Kirchenvorstände von St. Marien und St. Joseph, das FamilienForum Kalk und die Schulleitung des Gymnasiums Kaiserin-Theophanu-Schule Sturm gegen den Mietvertrag: Sie befürchten, dass die Junkies allein durch das Angebot des Sprirzentauschs in den Umkreis der Kapelle gelockt würden. Die Drogenverkäufe wären „eine potentielle Gefährdung für Schüler und Jugendliche“, wie es in einer gemeinsamen Stellungnahme heißt. Zudem fürchten sie, dass es zu Beschaffungskriminalität in diesem Gebiet kommen würde. Sie forderten, „Kalk nicht noch eine weitere schwere Last aufzubürden“ und einen anderen Standort zu suchen.

Bürgeramtsleiterin Lie Seiter glaubt nicht, dass die Drogenszene in den Bereich umziehen würde. Schließlich habe das die Polizei versichert und auch in den Einrichtungen an der Victorstraße und der Dieselstraße sei das nicht der Fall gewesen. Sie beklagt, dass „die Anwohner sich nicht einmal mit den Voraussetzungen und Gründen auseinandersetzen“. „Ich wäre
froh, wenn sie das gleiche Engagement zeigen würden, um das Problem gemeinsam mit dem Junkie Bund, dem Gesundheitsamt und der Polizei zu lösen.“.

Alternativen gibt es derzeit nicht, also bleibt der „Junkie Bund“ abseits „In den Reihen“, wo er kerne Anwohner vergrätzt.

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