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Von Clemens Schminke
Der Konsumraum „Dille 27“ wird am Dienstag nach Pfingsten eröffnet. Die IG Pantaleonsviertel kritisiert unterdessen das Konzept der Stadt.
Dem Kölner Suchthilfeangebot wird ein Baustein hinzugefügt: Am Dienstag nach Pfingsten eröffnet der Drogenkonsumraum in Kalk. Er trägt den Namen Dille 27 und befindet sich in dem Gebäude, das an der Ecke Dillenburger Straße/Neuburgstraße steht. Die Räume waren schon seit einiger Zeit betriebsbereit, doch noch fehlte die Betriebserlaubnis des NRW-Gesundheitsministeriums. Seit dem 5. Mai liegt sie vor. Am Freitag haben Sozial- und Gesundheitsdezernent Harald Rau und Margot Denfeld, Leiterin des Kölner Gesundheitsamts, die Einrichtung der Öffentlichkeit vorgestellt.
Dabei war auch Claudia Schieren, Geschäftsführerin des Vereins Vision, der mit dem Betrieb beauftragt ist. Er ist aus der Suchtselbsthilfe entstanden und unterhält ganz in der Nähe eine Kontakt- und Beratungsstelle. Darin sieht Denfeld einen Standortvorteil des neuen Drogenkonsumraums. Weitere Räume dieser Art gibt es in Köln am Neumarkt und am Hauptbahnhof. Ihr Zweck ist, Schwerstabhängigen zu helfen und zugleich den öffentlichen Raum zu entlasten.
Die Kalker Einrichtung, für den wie vorgeschrieben eine Kooperationsvereinbarung zwischen Gesundheitsamt, Polizei und Staatsanwaltschaft getroffen worden ist, bietet vier Plätze für den sogenannten inhalativen Konsum, beispielsweise für Crack-Rauchende, und vier weitere für Menschen, die sich die Drogen spritzen. Für all diese Plätze ist eine Verweildauer von 30 Minuten vorgesehen. Hinzu kommt ein „Expressplatz“, an dem Abhängige, die unter besonders hohem Suchtdruck sehen, binnen fünf Minuten ihre Substanz konsumieren können.
Außerdem gibt es einen großen Empfangsraum mit Tresen, ein Zimmer, in dem Besucher und Besucherinnen medizinisch behandelt werden können, einen Ruheraum sowie Beratungsräume. Drei Gesundheits- und Pflegekräfte werden im Einsatz sein, drei Fachkräfte für Sozialarbeit, vier studentische Hilfskräfte und überdies jemand, der sich nach den Worten von Schieren um die „Umfeldpflege“ kümmert, das heißt Kontakt zur Nachbarschaft hält und darauf achtet, dass es um den Drogenkonsumraum herum nicht zu Störungen kommt.
Zunächst ist die Stelle von 12 bis 18 Uhr pro Tag geöffnet, außer sonntags. Unter diesen Bedingungen rechnet die Vision-Geschäftsführerin mit rund 100 „Konsumvorgängen“ am Tag. Sukzessive würden die Öffnungszeiten ausgeweitet, im Juli oder August auf zehn, im November dann auf 13 Stunden täglich. Dies entspricht einem Stadtratsbeschluss vom 12. Mai. Die Stadt geht von jährlichen Gesamtkosten in Höhe von 1,56 Millionen Euro ab 2027 aus.
Dezernent Rau hob hervor, dass in Kalk von Anfang an eine „unterstützende Stimmung“ geherrscht habe, im Gegensatz dazu, dass anderswo Bewohner und Bewohnerinnen oft „angstgetrieben“ reagieren würden, wenn es um einen Drogenkonsumraum oder ein Suchthilfezentrum (SHZ) in der Nachbarschaft gehe. Offenbar hatte er den Widerstand gegen das geplante SHZ im Pantaleonsviertel im Blick.
Claudia Schieren führte die Stimmung im Stadtteil, die alles in allem positiv sei, darauf zurück, dass man die Nachbarn früh „mitgenommen“ habe, etwa mit Infoveranstaltungen in der nahe gelegenen Schule. Als heiklen Aspekt sprach Rau an, dass nach dem Zürcher Modell der Mikrohandel, also der Verkauf oder Tausch sehr kleiner Mengen illegaler Drogen unter Konsumenten, in der Einrichtung geduldet werden soll – obwohl der Handel mit Rauschgift verboten ist.
Man bewege sich in einem „rechtlichen Graubereich“, sagte der Dezernent und erklärte: „Wir wollen der Realität gerecht werden, sonst kriegen wir diese Leute nicht in den Raum.“ Nachfragen, wie sich die Duldung konkret gestalten werde, beschied er mit den Worten: „Sie werden von mir keine Beschreibung bekommen können, wie wir mit diesem rechtsfreien Raum umgehen.“
Andreas Zittlau, Vorsitzender der IG Pantaleonsviertel, die sich gegen das Vorhaben stellt, am Perlengaben ein SHZ zu errichten, gießt Wasser in den Wein: „Hier feiert sich die Stadt gerade dafür, dass sie nach einer gefühlten Ewigkeit endlich einen Drogenkonsumraum eröffnet. Dabei reden wir über eine Maßnahme, die angesichts der massiven Crackdynamik längst nicht mehr zeitgemäß ist.“
Besonders kritisch sehe die IG die „weiterhin ungeklärte Frage“, wie mit dem Mikrohandel – „wir reden hier über Straftaten“ – innerhalb der Einrichtung umgegangen werden solle. „Wenn die Szene weiß, dass es dort Drogen gibt und der Handel faktisch toleriert wird, entsteht zwangsläufig ein Pull-Effekt.“ Gerade deshalb sei das geplante SHZ im dicht besiedelten Pantaleonsviertel „hochproblematisch“.
Quelle: https://www.ksta.de/koeln/stadt-koeln-stellt-neuen-drogenkonsumraum-in-kalk-vor-1286022