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28 Mrz 2017

Leserbriefe zu Artikel vom 20.3.2017 bzgl. Thiedoldsgasse

2017-03-28-KStA-Konsumraum-Leserbriefe-webDas Ende der Toleranz ist nun erreicht

Thiedoldgasse: Zu „Stadt will Drogenkonsumraum einrichten“ (Kölner Stadt-Anzeiger vom 20. 3. 2017)

Unerträglich

Das Maß ist voll! Als Mit-Eigentümerin von Immobilien sehe ich mit allergrößter Sorge den Verfall eines über Jahrzehnte gutbürgerlichen, gewachsenen und gesunden Viertels dieser Stadt. Immer hat es um den Neumarkt herum Trubel, Lärm, Autoverkehr und viele Menschen gegeben. Aber gut, das ist der zentralen Lage mitten in der Stadt und der Nähe einesVerkehrsknotenpunktes geschuldet. Nun gibt es aber schon lange ein erhebliches Drogenproblem am Neumarkt, das die Stadt durch Kontrollen, Razzien, Polizeipräsenz und Platzverweise zu bekämpfen versucht. Offenbar wenig erfolgreich. In diesem Winter hat die Stadt in der Thieboldsgasse auch noch eine Notschlafstelle ?ir Obdachlose eröffnet. Unrat, öffentliches Urinieren und das Erledigen des großen Geschäftes, gerne hausnah und in Vorgärten, Drogen- und Alkoholkonsum, handfest ausgetragene Dispute sind an der Tagesordnung. Selbst in unserem Treppenhaus sind wir vor unliebsamem Besuch nicht geschützt. Täglich räume ich mit Einmal-Handschuhen Dreck weg. Schon der Blick aus dem Fenster meiner Wohnung reicht: Offener Drogenhandel und sich einen Schuss setzende Junkies kann ich mir ansehen, ohne die Wohnung zu verlassen. Täglich! Weder Ordnungsamt noch Polizei zeigen eine sicherheitsvermittelnde Präsenz. Ich finde die gesamte Situation mittlerweile unerträglich. Das Ende der Toleranz ist erreicht. Ich halte es für eine völlig verfehlte Sozial-Politik, weitere Drogeneinrichtungen hier noch anzusiedeln. Wir bitten um zügige Handlung und Abhilfe.

BRIGITTE SCHALLENBERG, KÖLN

Ziemlich befremdend

Einmal mehr muss man die überaus zurückhaltende Infonnationspolitik der Stadt Köln mit Befremden zur Kenntnis nehmen, die explizit darauf verzichtet, Anwohner und Nachbarn über ein Projekt wie den Konsumraum und seine Folgen für das Stadtviertel in Kenntnis zu setzen. Wie sich die Vorgänge gleichen: Schon Standort und Projektumfang für die Notschlafstelle für Obdachlose wurden zu unserer größten Irritation erst bekannt, als die Einrichtung im Winter eröffnete. In der Folgezeit glich die Thieboldsgasse zeitweise einem Straßenzug am Rande der Verwahrlosung. In einem auch für die Verantwortlichen angeblich unerwarteten Ausmaß entfaltete die neu geschaffene Einrichtung eine Sogwirkung auch auf die Akteure der Kölner Drogenszene. Die Bewohner der Thieboldsgasse mussten miterleben, wie vor ihrer Haustür — teils auch vor den Augen ihrer Kinder — auf offener Straße Drogen konsumiert und gehandelt werden. Die Belastung des Stadtviertels durch bereits vorhandene Hilfsangebote für Suchtkranke überschreitet schon das Maß des Erträglichen. Ein weiteres Angebot wird nicht zu einer Entspannung der Situation ?ihren, sondern eine verstärkte Sogwirkung entfalten und die Bedrohung der öffentlichen Sicherheit verschärfen. Mitten unter uns entstehen rechtsfreie Räume, eine Entwicklung, die weder Polizei noch Ordnungsamt effektiv kontrollieren und verhindern. Und die Stadt? Nimmt eine solche Entwicklung des bürgerlichen Wohnviertels mit seiner familiären Anrainerstruktur billigend in Kauf.

DR. PETER VON THUN, KÖLN

Drogen und Gegröle

Die Einrichtung eines Konsumraums an der Thieboldsgasse bedeutet nichts anderes, als den jetzigen Zustand festzuschreiben. Die Drogen- und Beschaffungskriminalität wird nur vom Neumarkt in das anliegende Wohnviertel verschoben. Die Stadt will anscheinend die schlechten Erfahrungen mit der Notschlafstelle im hinteren Bereich der Thieboldsgasse ignorieren. Ich habe dies oft selbst erlebt, wenn ich spät die letzte Runde mit dem Hund gehe: ein ständiges Kommen und Gehen, Gruppenbildung vor dem Eingang mit lautem Gegröle und ausgiebigem Alkoholgenuss, und das alles mitten im Wohngebiet und weit nach 22 Uhr. Von Kontrollen war nichts zu sehen. Nun also soll die Drogenszene hier eine feste Anlaufstelle bekommen. Holt die Stadt wirklich, die Sache inden Griff zu bekommen? Um die naheliegenden Museen und die VHS patrouilliert ein Wachdienst, der diesen Bereich sauber hält. Aber wer schützt die Anwohner gegen die Verschmutzung durch Exkremente, alte Spritzen und mehr? Die Stadtplaner sollten eine dauerhafte Lösung des Drogenproblems anstreben, bevor für eine Verschönerung des Neumarkts mit geänderter Verkehrsführung unnötig Millionen versenkt werden. Drogenabhängige setzen sich ganz ungeniert ihren Schuss in Hauseingängen, egal ob die Bahn ober- oder unterirdisch fahrt. Liebe Stadtobere‚ denkt auch mal an die Bürger, die schon seit sehr langer Zeit untragbare Zustände erdulden müssen, und vor allem an ältere Mitbürger, die sich abends nicht mehr in diese Gegend trauen.

BERND LINDEN, KÖLN

Man schämt sich

Jetzt soll die Thieboldsgasse als „Spritzgasse“ einbezogen werden, was die dortigen Bewohner absolut nicht wollen, Das Problem bliebe nach wie vor ungelöst. Warum lösen diejenigen Stadt-Politiker, die die „Ausdehnung“ befürworten, das Problem nicht dadurch, dass sie die Drogenabhängigen vor ihrer Haustür positionieren und dort willkommen heißen? Vielleicht wären ihre Hauseingänge oder Gärten und Vorgärten geeigneter für alles, was daraus folgt! Drogensüchtige sind nicht integrierbar, ihr Verhalten am Neumarkt ist beschämend, die Gegend dort verkommt. Man schämt sich, wenn man Gäste von dieser Stelle aus durch die Stadt führt oder die nahen Museen besuchen möchte. Die Verantwortlichen schieben alles weit von sich, aber sie werden noch sehen, was daraus wird.

WILHELM KUHN, KÖLN

Unsere Leserinnen und Leser haben hier mit ihren Meinungen das Wort. Wegen der großen Zahl der Briefe kann nur eine Auswahl veröffentlicht werden; ebenso sind Kürzungen oft unvermeidlich.

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