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10 Nov 2008

Josh von Soer Preis für Jürgen Heimchen

Wir gratulieren Jürgen Heimchen (Vorsitzender Bundesverband der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit e.V.) zur Auszeichnung mit dem Josh-von-Soer-Preis.

Der Preis wurde im Rahmen des diesjährigen DGS Kongress in  Berlin vom akzept Verband verliehen und ehrt Jürgens:

  • Beispielhafte und wirksame Öffentlichkeitsarbeit für akzeptierende und humane Ansätze in der Drogenarbeit
  • Die Schaffung des Gedenktages für verstorbene Drogenhabhängige und dessenEntwicklung zu einem bundesweiten drogenpolitischen Aktionstag
  • Den Einsatz für Entstigmatisierung und Abbau von Diskriminierung Drogenabhängiger
  • Das Engagement in gesundheitspolitischen Inititativen
  • Den Beharrlichen Einsatz für das Ziel der kontrollierten Legalisierung

Wir freuen uns über die Aufmerksamkeit und Anerkennung, die Jürgen Heimchen und seiner kontinuierlichen und engagierten Arbeit für Drogen gebrachende Menschen entgegen gebracht wurden. Ohne Menschen wie Jürgen wären sicher viele Veränderungen in der Drogenhilfelandschaft nicht möglich gewesen oder hätten länger auf sich warten lassen.

Weiter so Jürgen!

Laudatio von Dirk Schäffer (Vorstand akzept Bundesverband/Drogenreferent Deutsche AIDS Hilfe e.V.)

Bevor ich den Preisträger vorstelle, möchte ich kurz auf die Geschichte dieses Preises zurückblicken. Der Gedanke dieses Preises ist, durch die Auszeichnung von besonders beispielhaften, innovativen und mutigen Personen oder Initiativen, der akzeptierenden Drogenarbeit ermutigende Impulse und öffentliche Aufmerksamkeit zu geben und so unser Verständnis für die Arbeit mit Drogen gebrauchenden Menschen im besten Sinne voranbringen’.

Der Preis trägt den Namen „Josh- von- Soer- Preis“. Josh setzte sich als Gründer des Hamburger Projekts Palette e.V. bereits mitte der 80er Jahre gegen erheblichen Widerstand von Politik und Fachwelt für die Verbesserung der Lebenssituation Drogen gebrauchender Menschen ein. Auch der Aufbau des ersten Hilfeangebotes für drogenabhängige Eltern und ihre Kinder ging neben zahlreichen weiteren Aktionen auf seine Initiative zurück.

Beispielhaft für seine Öffentlichkeitsarbeit im Kontext akzeptierender Drogenarbeit war die Benennung einer Strasse in Hamburg nach der Mit-Entdeckerin der Methadon-Dauerbehandlung, Marie Nyswander.

Unseren heutigen Preisträger kann man auch als nimmermüden Öffentlichkeitsarbeiter für akzeptierende und humane Ansätze in der Drogenarbeit bezeichnen.

Wann immer wir als MitarbeiterInnen in Einrichtungen der AIDS und Drogenarbeit oder als Vertreter von Fachverbänden das kritische aber geschliffene Wort wählen und mit Rücksicht auf eine zukünftige auch finanzielle Zusammenarbeit mit politisch Verantwortlichen auf kommunaler, oder bundesweiter Ebene unsere Kritik zurückhaltend formulieren, spricht er das, was erforderlich ist, klar, deutlich und unmissverständlich aus. Er ist ein ‚radikaler’ im konstrukivem Sinn.

Nachdem sein Sohn gerade volljährig geworden im Polizeigewahrsam an den Folgen einer inhumanen und repressiven Drogenpolitik verstarb, verteufelte er nicht allein die Drogen bzw. die Drogenabhängigkeit seines Sohnes, sondern machte sich die Veränderung jener Lebens und Konsumbedingungen Drogen gebrauchender Menschen zu seiner Lebensaufgabe.

Paralell zur öffentlichen drogen- und gesundheitspolitischen Arbeit, gründete er gemeinsam mit einigen Müttern und Vätern die Elterninitiative für akzeptierende Drogenarbeit.

Der Begriff Elterninitiative wurde ganz bewusst gewählt, sollte er doch neben der reinen Selbsthilfe auch etwas über ihre künftige Arbeit aussagen.

Für ihn war klar, dass sie als betroffene Eltern nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht hatten, mehr zu tun, als „nur“ in Gruppensitzungen sich auszutauschen und sich zu ermutigen..

Ein Paradebeispiel für sein Engagement bildet der Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige ab. Er ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass aus einer kleinen Gedenkveranstaltung mit kommunalem Charakter, heute 10 Jahre später der größte bundesweite Gedenk- und Aktionstag für Drogengebrauchende Menschen geworden ist, der in mehr als 40 Städten am 21 Juli durchgeführt wird.

Er ist sich nicht zu schade für bürgernahe Auftritte ‚auf der Strasse’, es gelingt ihm beispielhaft die Medien für seine /die Anliegen der Eltern zu aktivieren.

Trotz seines herausragenden Engagements ist der stets „Teamplayer“ geblieben, wann immer ein neues Projekt , die z.B vor einigen Jahren das „Aktionsbündnis Hepatitis und Drogengebrauch“ initiiert wurde, ist er und sein Verband, deren Bundesvorsitzender er ist, ein verlässlicher Bündnispartner.

Unser heutiger Preisträger ist ein außergewöhnlicher Mann, der sich mutig, kämpferisch und auch streitbar für die Interessen von Drogen gebrauchenden Menschen einsetzt. Er spricht sich kategorisch für die Legalisierung von Drogen aus und meint damit die Übernahme staatlicher Verantwortung bei heute illegalen Substanzen analog zu Alkohol und anderen legalen Drogen.

So herausragend und maximalistisch er in seinen Forderungen für die er gesundheitspolitisch einsteht ist- so „Understatement like“ gibt er sich, was seine persönlichen Belange betrifft.

Kurzum ein politischer Kämpfer, Bündnispartner und Kollege von denen wir mehr benötigen würden, um Menschenwürde, Patientenrechte und Betroffenenorientierung in der Drogenpolitik durchzusetzen.

Es ist mir eine Freude und eine Ehre im Namen des Bundesverbands AKZEPT e.V. den Josh von Soer Preis 2008 an meinen Freund und herausragenden Akteur akzeptierender Drogenarbeit -Jürgen Heimchen- zu verleihen.

Dirk Schäffer
für den Vorstand akzept e.V.

Informationen zum Bundesverband der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit finden Sie auf www.akzeptierende-eltern.de

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