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21 Jul 2016

Internationaler Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen

Auch in diesem Jahr gedenken wir am 21. Juli wieder den verstorbenen Drogengebraucherinnen und Drogengebrauchern. Seit 2014 befindet sich die zentrale Kölner Gedenkstätte für verstorbene DrogengebraucherInnen auf dem Gelände von VISION e.V. Daher finden dieses Jahr Aktionen sowohl am Neumarkt, als auch an der Gedenkstätte in Kalk statt.

gedenktag-flyer-web

11:00 – 13:00 Uhr
Mahnwache am Neumarkt

Mit verschiedenen Aktionen wollen wir die Passanten auf das Schicksal der verstorbenen Drogengebraucher aufmerksam machen und aufzeigen das viele Todesfälle vermeidbar gewesen wären und auf das Konto einer verfehlten Drogenpolitik und fehlender ,beziehungsweise nicht bedarfsgerechter Hilfsangebote gehen.

ab 13:00 Uhr: Für alle die mit uns zu den weiteren Aktionen bei VISON e.V. wollen, wird es einen Fahrservice zwischen Neumarkt und VISION e.V. geben und für die Rückfahrt werden KVB Tickets zur Verfügung gestellt.

14:00 – 18:00 Uhr
Aktionen an der zentralen Gedenkstätte für Drogentote auf dem Gelände von VISION e.V. in Kalk

14:00 – 14:05 Uhr: Begrüßung/Eröffnung Marco Jesse, Geschäftsführer VISION e.V.
14:05 – 14:40 Uhr: Anyway, Sänger/Songwriter
14:40 – 15:00 Uhr: Musik vom Band
15:00 – 15:50 Uhr: Katbite, Sarcastic Pop
15:50 – 16:00 Uhr: Jochen Hövel, Claudia Wilmes und VISION e.V., Präsentation Kunstinstallation
16:00 – 16:20 Uhr: Symbolische Gong-Schläge und Entzünden von Fackeln im Gedenken an Partner, Angehörige und Freunde etc.
16:20 – 17:20 Uhr: Peter Sarach & Crazy, Sänger/Gitarrist der ‚Cowboys on Dope‘
bis 18:00 Uhr: Ausklang der Veranstaltung

Neben der Livemusik und den Gedenkelementen bieten wir kostenlos leckeres Essen vom Grill und Getränke an.

Es besteht die Möglichkeit Schiefertafeln zum Gedenken zu beschriften und an der Gedenkstätte abzulegen.

Schirmherrschaft: Richter & Autor Andreas Müller
Motto: „Zahl der Drogentoten weiter gestiegen. – Jetzt handeln!“

Die tatsächliche Zahl der Opfer, die der Krieg gegen die Drogen bisher gefordert hat, werden ebenso wie die Namen aller Toten, nie wirklich bekannt sein. Der Internationale Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen ist jenen Menschen gewidmet, Bekannten und Unbekannten, die im und am Krieg gegen Drogen gestorben sind. Zu diesem Anlass kommt die Gemeinschaft Drogen gebrauchender Men¬schen zusammen, um an ihre Freunde und Lieben zu erinnern.

„Eine andere Gelegenheit die Verstorbenen zu ehren, gibt es für diese Menschen meist nicht. Auf den Beerdigungen sind die zurückbleibenden Freund*innen oftmals nicht gerne gesehen und so gibt es keine Möglichkeit, Abschied zu nehmen“ bemerkt dazu Claudia Schieren, Vorstandsmitglied des JES Netzwerks (Junkies-Ehemalige-Substituierte).

Der Internationale Gedenktag dient in vielen Städten und Gemeinden Deutschlands, Europa- und Weltweit jedoch nicht einzig der Trauer, sondern auch der Aufklärung.

Ein großer Teil der Todesfälle sind keine Todesfälle durch Drogeneinwirkung, sondern Folge der Verbotspolitik und der allgegenwärtigen gesellschaftlichen Ignoranz und Stigmatisierung. Sie sind Folge eines unregulierten, unkontrollierten Schwarzmarktes, in dem gestreckte Drogen zur Normalität gehören. Sie sind auch Folge von HIV- und Hepatitis-Infektionen, von Armut und Diskriminierung, von Gewalt und staatlicher Verfolgung.

Alleine in Köln wurden im Jahr 2015 erneut 48 „Drogentote“ registriert. Deutschland weit waren es 1.226 Menschen – ein Anstieg um nahezu 20%. Auffällig war dabei der gleichzeitige Anstieg der sogenannten „erstauffälligen Konsumenten“ von Heroin und Kokain. „Dies ist ein deutliches Indiz dafür, dass die bisherige Drogenpolitik mit ihrem Fokus auf Repression, Strafverfolgung und einen unrealistischen Abstinenzanspruch gescheitert ist. Diese Erkenntnis muss sich endlich in einer ideologiefreien Drogenpolitik niederschlagen“ so Marco Jesse, Vorstand von akzept NRW e.V. und Geschäftsführer von VISION e.V.

Es gilt, effiziente Hilfe- und Unterstützungsangebote zu schaffen, ohne Drogenabhängige weiter ins gesellschaftliche Abseits zu drängen. Hierzu bedarf es einer Haltung, die respektiert, dass für einen Teil der Gesellschaft Drogenkonsum zum alltäglichen Leben gehört. „Die teils menschenverachtende Art und Weise, in der über diese Mitmenschen gesprochen wird, führt nur zu einer Verschärfung der Situation. Sie erschwert einen fachlich begründeten Diskurs und verhindert eine erfolgreiche präventive Arbeit mit dieser Zielgruppe“ so Marco Jesse weiter.
In Köln richtet VISION e.V. in diesem Jahr eine zweiteilige Veranstaltung aus. Im ersten Teil wird auf dem Kölner Neumarkt – gerade auch vor dem Hintergrund der aktuellen Berichterstattung – ein Informationsstand und eine Mahnwache veranstaltet. Verbunden ist die Mahnwache mit der Forderung nach legalen Konsummöglichkeiten an den Kölner Szenebrennpunkten Neumarkt, Kalk, Kölnberg etc. „Wir wissen seit langem, dass niedrigschwellige Angebote wie Drogenkonsumräume effektiv und effizient sind. Sie dienen der Gesundheitsförderung von Drogenabhängigen und entlasten damit in der Folge auch das Gesundheits- und Sozialsystem“ erklärt dazu eine Vertreterin des Bundesverband der Eltern und Angehörigen für humane und akzeptierende Drogenarbeit. Diese und weitere Punkte mit Anwohnern, Geschäftsleuten und Passanten zu diskutieren, ist Ziel des Infostands am Neumarkt.

Im zweiten Teil der Kölner Gedenktagsveranstaltung wird an der zentralen Gedenkstätte in der Kalker Neuerburgstraße ein Bühnenprogramm mit Musikbeiträgen von „Peter Sarach“ Mitglied der „Cowboys on dope“, „Katbite“ und „Anyway“ (Streetworker Franco Clemens) angeboten. Verbunden mit der Präsentation einer Kunstinstallation von Jochen Hövel und Besuchern der Anlauf- Beratungsstelle von VISION e.V. wird es einen umfassenden Gedenkteil geben. Dazu wird symbolisch für jeden der 48 verstorbenen Kölnerinnen und Kölner eine Glocke geschlagen und eine Fackel entzündet (Details zum Programm siehe Seite 2).

Der „Internationale Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen“ ist ein Tag für uns und unsere Freunde, für die Menschen, die Drogen konsumieren. Wir werden eine Fackel der Würde, der Hoffnung und des Erinnerns an unsere Freunde weitertragen.

Initiatoren des unter der Schirmherrschaft von Andreas Müller (Jugendrichter) stehenden internationalen Gedenktages sind der „Bundesverband der Eltern und Angehörigen für humane und akzeptierende Drogenarbeit“, der „JES Bundesverband der Junkies, Ehemaligen und Substituierten“ und die „Deutsche AIDS Hilfe e.V.“
Die Kölner Veranstaltungen werden von VISION e.V. ausgerichtet.

 

Wenn man Heroin kriminalisiert und die Leute auf die Straße treibt, zerstört das ihr Leben mehr, als die Drogen selbst.“
(Ethan Nadelman, Vorsitzender des internationalen
Bündnisses für Drogenpolitik „Drug Policy Alliance“)

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