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Newsletter der VISIONäre - Juli 2019

Der aktuelle VISION Newsletter beschäftigt sich im Schwerpunkt mit dem in Kürze anstehenden „Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen".

Außerdem zeigen wir einen Rückblick auf das Drugland-Theater 2019 und stellen das neu gegründete Kooperationsprojekt von SKM Köln, VISION e.V. und des Sommerblut Kulturfestival e.V vor.

Jahresbericht 2018

Darüber hinaus präsentieren wir endlich den Jahresbericht für das letzte Jahr, welcher erneut inhaltlich als auch gestalterisch an die erfolgreichen Ausgabe vergangener Jahre anknüpft. Wir wünschen allen Abonnenten viel Spaß beim Lesen und den Blick hinter die Kulissen.

 Download:

Jahresbericht 2018 Web-Version

Termine

Wie schon im Vorjahr trommelte VISION e.V. in Köln verschiedene Vertreter des Kölner Drogenhilfesystems, der Selbsthilfe, der Stadt und der Aidshilfen zusammen, um gemeinsam den Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen zu begehen.

Da das ursprüngliche Datum (21.7.) dieses Jahr auf einen Sonntag fällt, haben wir uns entschieden, ihn um einen Tag vorzuziehen. So erreichen wir am Samstag, den 20.7. in der Innenstadt mehr Leute, als es sonntags der Fall wäre.

Die Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes wird auf der Bühne eine Rede halten und in einer durch den Leiter des Sommerblut-festivals Rolf Emmerich moderierten Talkrunde kommen alle Mitveranstalter zu Wort. Vor der Gedenkrede durch den Pastor Andreas Hübner und den folgenden Gedenkaktionen wird das Drugland-Theater einen Beitrag leisten. Den musikalischen Rahmen bilden der Songwriter Daniel Sänger, der Liedermacher Rolly Brings und die VISION-eigene Latin-Bluesrock-Formation „Visions don’t lie“.

Alle Kölnerinnen und Kölner, die sich über die Arbeit des Drogenhilfesystems informieren wollen, sind herzlich eingeladen, am 20.07.2019 am Rudolfplatz vorbeizukommen und das kulinarische und kulturelle Programm des Gedenktags zu genießen.

 

71 Drogentote sind zu viel!

Um nahezu die Hälfte ist die Zahl der an Folgen von Drogenkonsum verstorbenen Menschen in Köln gestiegen. Die Organisatoren des Gedenktags für verstorbene Drogengebraucher*innen halten dies für ein alarmierendes Zeichen und sehen dringenden Handlungsbedarf. Um dies in das öffentliche Bewusstsein zu bringen und gleichzeitig die Bandbreite der aktuellen Hilfsangebote darzustellen, richtet ein breites Bündnis von Akteuren der Selbst-, Drogen- und Aidshilfe eine Veranstaltung auf dem Rudolfplatz aus.

Der Anstieg der offiziellen Zahl der Kölner Drogentoten von 51 (2017) auf 71 im Jahr 2018 stellt einen Zuwachs um annähernd 40% dar. Die Suche nach den Ursachen lässt alle Akteure ratlos zurück. Fehlende gerichtsmedizinische und labortech-nische Untersuchungen sind ein Grund dafür, dass auch die Fachleute lediglich spekulieren können. Der Versuch einer Analy-se führt jedoch fast zwangsläufig zu dem Ergebnis, dass die schon lange von der Politik beschlossenen Erweiterungen der Hilfsangebote schnellstmöglich umgesetzt werden müssen.

Der gestiegene Anteil an Obdachlosigkeit, das zunehmende Lebensalter der Konsument*innen sowie nach wie vor fehlende legale Konsummöglichkeiten sind nur einige der in Frage kommenden Ursachen für die hohe Zahl an Todesfällen. Eine zunehmende Perspektivlosigkeit bei den Drogengebraucher*innen aufgrund fehlender sinnstiftender Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten trägt sein Übriges dazu bei. Nicht zuletzt fehlt es ganz grundsätzlich -besonders für Menschen in Substitutionsbehandlung - an tagesstrukturierenden Angeboten.

Ein Teil der sich daraus ergebenden Bedarfe wurde erkannt und die politischen Beschlüsse werden mit Unterstützung der Verwaltung von den freien Trägern umgesetzt. Hier sind eine Weiterentwicklung und ein Ausbau des Hilfesystems in Gange. Gleichzeitig fehlt es aber auch noch an Angeboten, die sich direkt auf die Zahl der drogenbedingten Todesfällen auswirken könnten. Gerade „Drugchecking“ und ein stadtweites „Naloxon Take Home Programm“ werden in Köln nicht angeboten. Drugchecking würde die Möglichkeit für Konsument*innen bieten, ihre Drogen auf den Wirkstoffgehalt untersuchen zu las-sen, und so unmittelbar versehentliche Überdosierungen vermeiden helfen. Die Vergabe von Naloxon, einem Gegenmittel bei Opiatüberdosierungen, in die Hände der Gebraucher*innen, gibt diesen, im Falle einer Überdosis von Freund*innen, Bekannten, Partner*innen usw. die Chance schnell, effektiv und hochwirksam Hilfe zu leisten und so ein Versterben der Per-son zu verhindern.

Was das Drogenhilfesystem jetzt schon an Möglichkeiten zur Unterstützung und Hilfe bietet, präsentieren die teilnehmenden Einrichtungen und Abteilungen während der Veranstaltung am 20. Juli auf dem Kölner Rudolfplatz.

Presseerklärung Köln Gedenktag 2019

Presseerklärung Bundesweit Gedenktag 2019

Gedenktag-Ankündigung auf KVB-Infoscreens

Wir präsentieren einen Videospot zur Ankündigung des Gedenktags. Das Video ist 10 Sekunden lang und wird zu den folgenden Zeiten auf den Infoscreens der KVB zu sehen sein:

- Mittwoch, 17.7.2019 zwischen 15 und 18 Uhr
- Samstag, 20.7.2019 zwischen 9 und 12 Uhr

Klicke hier, um die Medien zu sehen.

Streetwork

Wir erhalten Verstärkung! Zukünftig können wir eine T4 Caravelle für unsere Arbeit nutzen. Wir bedanken uns hiermit recht herzlich bei den Sponsoren und Unterstützern, die dies für uns ermöglicht haben!

Man sieht sich auf der Straße!

Unsere generellen Standzeiten sind:

Dienstag:
10:00 - 11:30 Uhr - KVB Haltestelle (Ostheim)
11:45 - 12:15 Uhr - Kiosk an der Gernsheimerstraße (Ostheim)
12:30 - 14:00 Uhr - Wiener Platz (Köln-Mülheim)

Donnerstag:
10:00 - 11:30 Uhr - KVB Haltestelle (Ostheim)
11:45 - 12:15 Uhr - Kiosk an der Gernsheimerstraße (Ostheim)
12:30 - 14:00 Uhr - Wiener Platz (Köln-Mülheim)

Drugland-Theater

Sommerblut: Rückblick und Perspektive für Überlebenskämpfer

Quelle: MeineSuedstadt.de
Text: Alida Pisu | Bilder: Nathan Dreessen

Gerade ging das 18. Sommerblut-Kulturfestival zu Ende. Anlass für Festivalleiter Rolf Emmerich, in eine kurze Bilanz zu ziehen. „Das Festival-Thema war in 2019 ja „Glaube“. Wir sind inhaltlich sehr zufrieden, haben unglaubliche Themen bewegt, mit ganz unterschiedlichen Facetten. [...]

Eine der Eigenproduktionen des Festivals ist „Das Mädchen ohne Hände“ der Gruppe Drugland, in der größtenteils Menschen mit langjährigen Drogenerfahrungen mitwirken. Warum macht Ihr eine solche Produktion?
Rolf Emmerich: „Es ist ja der Grundansatz von Sommerblut, dass wir Projekte mit sogenannten Experten des Lebens, auch des Lebens am Rand der Gesellschaft, machen: Geflüchtete, Homosexuelle, Menschen mit Behinderung usw. In Verbindung mit Profis. Natürlich steckt immer auch der Gedanke dahinter, dass man den Menschen damit eine Perspektive für ihre persönlichen und beruflichen Wege eröffnet. Z.B. sind zwei Leute aus der Gruppe Drugland, die bei der Produktion im letzten Jahr dabei waren, jetzt ins Orga-Team gewechselt. Die Leute kommen aus ihrem Suchtkreislauf raus, einer hat aufgehört zu trinken, eine andere ist von der Droge ins Methadon-Programm gewechselt. Wichtig ist auch: Diese Projekte zeigen wir nicht in Nischen wie Flüchtlingszentren oder Behindertenheimen. Wir zeigen sie an Orten der Hochkultur, z.B. großen Theatern, und gehen da auch Kooperationen ein, z. B. mit dem Freien Werkstatt Theater (fwt).“

Die Produktion „Das Mädchen ohne Hände“ hat mich neugierig gemacht, ich sehe sie mir im fwt an. Dort stehen die Lebensexperten auf der Bühne. Sie sind keine Schauspielprofis, die mit ihrer brillanten Darstellungskunst fesseln. Sie sind Menschen, die vom Leben hart gebeutelt wurden, aber nie aufgehört haben, um dieses Leben zu kämpfen. Und sich mit ihren Geschichten auf die Bühne zu wagen, sich damit auch der Öffentlichkeit auszusetzen, ohne zu wissen, wie die Reaktionen darauf sein werden. Damit fesseln sie.

In der Inszenierung „Das Mädchen ohne Hände“ erkunden sie die eigenen schwierigen und schmerzhaften Lebenswege. Die Rahmenhandlung bildet das gleichnamige Grimmsche Märchen, in dem ein Vater seine Tochter an den Teufel verkauft und ihm beide Hände abschlägt, um den eigenen Hals zu retten. Das Kind überlebt, geht aus dem Haus, hat noch mancherlei Prüfung zu bestehen, bis es zum Schluss heißt: „… und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“ Happy End also. Aber auch ein „märchenhaftes“ Beispiel für die gar nicht so märchenhafte Realität, in der Kinder auch heute noch leben und leiden. Erst in der vergangenen Woche wurden Zahlen veröffentlicht, nach denen Zehntausende Kinder jedes Jahr Opfer von Gewalt und Kindesmissbrauch werden. Hinter jeder einzelnen Zahl steht ein erschütterndes Schicksal.

Spürbarer Schmerz

Beispiel dafür mag die Geschichte sein, die Sukia Lawalata erzählt. Das Mädchen, das in seiner Familie einer Eiseskälte ausgesetzt war, die es irgendwann nicht mehr ertragen konnte, so dass es von zu Hause fortlief, womit das Elend seinen Lauf nahm. Gewalterfahrung, Drogensucht, Schwangerschaft. Das Baby wird zur Mutter gegeben. Das Mädchen: Wenn man in Lawalatas Gesicht sieht, in dem es zuckt und arbeitet, weiß man, dass sie selbst dieses Mädchen gewesen ist. Und man möchte sie unwillkürlich beschützen, in den Arm nehmen und trösten. Denn ihr Schmerz ist fast am eigenen Leib zu spüren.

Alle erzählten Lebensgeschichten haben mit Gewalt und Drogen, mit Abhängigkeiten, Ohnmacht und immer wieder Kämpfen zu tun. Gegen die Umstände. Gegen die Sucht. Für das bisschen Leben, das man hat. Für das Kind, das auf die Welt kommt und für das man Verantwortung übernimmt.
Nach der Vorstellung nutze ich die Gelegenheit zu fragen: „War es schwierig für Sie, sich mit der eigenen Lebensgeschichte auseinanderzusetzen?“
Sukia Lawalata: „Es war sehr emotional, hat sehr viel aufgewühlt. Aber es war auch gut, damit ich es verarbeitet bekomme und vielleicht auch loslassen kann. Denn im Endeffekt ist es bei mir ja gut gelaufen.“
Anders Michael Gartmann: „War für mich gar kein Problem, weil ich ein offener Mensch bin. Ich hatte ganz krasse Einschnitte, aber das Leben muss ja weitergehen. Durch meine Tochter habe ich mich auch verändert, bin stärker geworden und zeige ihr jetzt: Ich kann auch anders.“
Ja, sie können auch anders und mein Respekt ist ihnen sicher!

Quelle: MeineSüdstadt

Kontinuierliches Theaterangebot
für Menschen mit Suchterfahrungen aus dem Großraum Köln

SKM Köln, VISION e.V. und der Sommerblut Kulturfestival e.V gründeten die gleichberechtigte Kooperation „DRUGLAND THEATER“, in dem Menschen mit einer Suchterfahrung durch die Theaterarbeit eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung und damit neue Lebensperspektiven erhalten.

Nach den erfolgreichen Theaterprojekten NO WAY OUT (2017) und DRUGLAND (2018), und der aktuellen Inszenierung "Das Mädchen ohne Hände" (Premiere 6.6.2019, Freies Werkstatt-Theater), in denen Menschen mit Suchterfahrungen im Rahmen des Sommerblut-Festivals auf der Bühne standen und als Experten*innen ihrer speziellen Lebenswelten dem Publikum persönliche Geschichten aus ihren Biografien erzählten, soll ein kontinuierliches Theaterangebot für Menschen mit Suchterfahrungen aus dem Großraum Köln etabliert werden.

Die drei oben genannten Projekte beweisen eindrucksvoll, dass ein solches Theaterangebot sinnvoll ist: einerseits für die Teilnehmenden, die durch das regelmäßige und gemeinsame Arbeiten an einem gemeinsamen Ziel – einer Aufführung – ihr Selbstwertgefühl steigern und neue Lebensperspektiven gewinnen konnten,andererseits für das Publikum, das durch die emotionalen Erlebnisse der Aufführungen Vorurteile gegenüber Menschen mit Suchterfahrungen abbauen und neue Sichtweisen auf die Drogenproblematik gewinnen konnte. Diese Form von Theaterarbeit ist inklusiv, weil gesellschaftliche Teilhabe für Menschen mit und ohne Suchterfahrung, respektvoll und auf Augenhöhe im Projekt, d.h. bei den Proben und Aufführungen gewährleistet wird.

Von 2017 bis 2019 haben SKM Köln, VISION e.V. und der Sommerblut Kulturfestival e.V. die Theaterprojekte in der Antragstellung, Umsetzung und Evaluation aktiv unterstützt. Aus den gemeinsamen guten Erfahrungen, ist die Vision entstanden, das Theaterangebot für Menschen mit einer Suchterfahrung zu verstetigen und damit dauerhaft in der Kölner Kulturlandschaft zu verankern. Dies soll durch ein regelmäßiges wöchentliches Probenangebot, mit dem Ziel von Aufführungen im Rahmen des jährlichen Sommerblut Kulturfestival erreicht werden.

SKM Köln, VISION e.V. und der Sommerblut Kulturfestival e.V gründeten dafür die gleichberechtigte Kooperation „DRUGLAND THEATER“, die getragen ist von gegenseitigem Vertrauen und dem gemeinsamen Ziel, Menschen mit einer Suchterfahrung durch die Theaterarbeit eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung und damit neue Lebensperspektiven zu ermöglichen.

Nach dem offiziellen Startschuss durch die Unterzeichnung der Kooperation geht es nun darum, Finanzierung sicherzustellen. Hier hoffen die Partner auf eine Förderung durch die Stadt Köln sowie Aktion Mensch.

Web: www.sommerblut.de

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