WDR

2 Antworten

  1. Gerit Magnani sagt:

    Am 21.7. konnte ich leider nicht mit zusammen auf dem Neumarkt sein, auch im Gedächnis an meinen verstorbenen Sohn, der am 6.11.2008 in einer dunklen Ecke im Parkhaus unter der Hohenzollernbrücke an einer Überdosis starb.
    Folgendes passierte an diesem Tag auf meinem Weg zur Arbeit und genau das läßt mich immer wütender werden:
    Als ich morgens auf dem Düsseldorfer Bahnhof ankam, sah ich einen jungen Mann. Er ist schmächtig, hat schwarze, hübsche Locken, trägt total verschmutzte Sachen, war verschwitzt und hatte hohle Wangen. Er ging mit einen zerknüllten Plastikbecher auf dem Bahnsteig herum und bettelte um Geld. Das war gegen 8 Uhr morgens. Als ich abends wieder auf dem Bahnsteig in den Zug steigen wollte (gegen 18 Uhr) sah ich den gleichen Jungen. Er weinte, bettelte verzweifelt (kann man so etwas spielen?) so viele Menschen gingen vorüber. Er rief: Nun kann ich wieder nicht schlafen gehen! So viele Menschen und keiner hilft mir.“ Ich hatte gar kein Geld dabei und fragte ihn, warum er nicht zur Notschlafstelle gehen will. Ich fasste ihn an der Schulter. Sein T-Shirt war schon steif vor Schmutz. Er sagte, dass er dort 7 Euro Schulden habe. Er hätte auch nichts gegessen, 2 Euro hat er heute durch Betteln bekommen, aber das reicht nicht. Ich habe selbst gesehen, wie die Menschen einfach vorüber gingen, es waren Hunderte. Ob irgendjemand außer mir einen Gedanken an sein Schicksal verschwendet? Mir kommen die Tränen vor Wut, ich weiß nicht, was das für ein Elend ist. Wenn er süchtig ist – er ist doch ein Mensch – und ist krank, an Körper und Seele. Das ist doch nicht zu übersehen. Selbst einen Hund läßt man nicht so herumlaufen, da kommt doch der Tierschutz.

    Wenn ich Geld dabei gehabt hätte – ich hätte es ihm gegeben. Wäre das falsch? Tiefer kann kein Mensch auf dieser Welt sinken. Er ist ganz unten – und nun, wem nützt das? Ich mußte im Zug weinen und dachte die ganze Zeit an den Song von Phil Colins „Another Day in Paradize.“ Jetzt ist es abends und es regnet. Ich sitze im Wohnzimmer im Trockenen. Wo und wie hat er die Nacht verbracht? Er ist doch krank, suchtkrank….
    Wer ist verantwortlich? Ist der Junge selbst Schuld? Als mein Sohn noch lebte und gerade in Therapie war, gingen wir während eines Ausgangs durch die Bonner Fußgängerzone. Als uns jemand anbettelte sagte er, der selbst abhängig war: Gib ihm nichts! Ich habe Angst um diesen unbekannten jungen Mann. Was soll man tun? Kann nur er sich retten? Er sieht aus, als ob er gar keine Kraft mehr hat. Er ist doch so jung. Was für ein Leben könnte er noch haben!
    Gestern und heute hielt ich nach ihm Ausschau. Ich habe ihn nicht wieder gesehen…..

    • Anonymous sagt:

      Hallo Gerit Ich kann dich gut verstehen. Ich war bis vor 17 Jahre selber mit einem Junkie zusammen und weil ich Angst davor hatte mit Ihm zu leben ist Er verschwunden. Ich weiss bis heute nicht ob Er überhaupt noch lebt. Was währe gewesen wenn ich Ihm meine Hilfe angeboten hätte? kEINER kann mir meine schuldgefühle nehmen und so frage ich mich oft was aus Ihm geworden ist.Gibt es diese Kraft überhaupt?kann man gegen diesen starken Gegner(heroin)ankommen?Ich weiss es nicht.Silke

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